In Bayern gibt es nichts Neues: In seiner filmischen Liebeserklärung "Bavaria" betreibt Überflieger Joseph Vilsmaier uninspirierte Lüftlmalerei.

Berlin (dapd) l Wenigstens von Aschaffenburg bis zur Zugspitze ist die Welt noch in Ordnung. Mit seinem Dokumentarfilm "Bavaria" hat Joseph Vilsmaier seiner Heimat eine selbstbewusste Liebeserklärung gewidmet. In seinem neuen Film will er möglichst viele Facetten des Freistaats zeigen und hat es darum mit dem Hubschrauber überflogen.

Stadt, Land und Fluss, Schlösser, Burgen und Industrie werden zu 80 Prozent aus der Vogelperspektive abgehakt. Und wenn der Überflieger landet, filmt er am liebsten Biergärten, Trachtenumzüge und Lüftlmalerei. Die Herausforderung bestand darin, in knappen 92 Minuten wesentliche Charakteristiken des Freistaats unterzubringen. Der 73-jährige Joseph Vilsmaier, der Kameramann war, bevor er mit Filmen wie "Schlafes Bruder" und "Comedian Harmonists" zu einem der bekanntesten deutschen Regisseure aufstieg, vertraut der Devise "Mehr ist mehr".

Der Helikopter war mit einer 500000 Euro teuren Cineflex-Kamera ausgerüstet. Mit Pilot Hans Ostler fliegt Vilsmaier, oft mit Flüssen als rote Fäden, über altehrwürdige Handelsstädte, Klöster, Alpenseen und auch über die Münchner Industriegebiete mit ihren Konzernen von Weltruf.

Die Isarmetropole selbst bekommt eine Viertelstunde gegönnt, doch Schönheiten wie Bamberg, Nürnberg oder Regensburg rauschen so hurtig vorbei, dass der Film bald zur bloßen Aufzählung verkommt. Zwar werden Schattenseiten wie die KZ-Lager in Dachau pflichtschuldig gestreift, doch vorrangig geht es um die Juwelen des bayerischen Schatzkästleins.

Biederer Werbeclip mit glücklichen Kühen

Die barocke Pracht darf aber nur allzu kurz funkeln, überraschende Perspektiven auf die Kulturdenkmäler schon gar nicht. Auch auf dem Boden wird strikt das Erwartete gezeigt: stramme Burschen in Lederhosen, blonde Frauen im Dirndl, Fußball, das bierselige Oktoberfest, Schuhplattler und glückliche Kühe. Nicht umsonst setzen Touristen weltweit bayerisches Brauchtum mit Deutschland gleich, sind die Traditionen der Bajuwaren doch unverwechselbar.

Tatsächlich ist oft nichts wahrer als Klischees, und wer je in Bayern war, weiß, dass das "Mir san mir"-Gefühl keine Legende ist. Bayern ist nicht nur wunderschön, sondern spitze, das muss auch der Außerbayerische neidlos anerkennen. Und deshalb hätte der Freistaat, der Tradition und Moderne so gut vereint wie kein anderes Bundesland, eine originellere Perspektive verdient.

Das Ärgerliche an Vilsmaiers Film ist deshalb, wie bequem er es sich auf ausgetretenen Pfaden macht. Besonders in seinem altväterlichen Off-Kommentar lässt der bayerische Patriot kaum eine Plattitüde aus, etwa wenn es um den blauen Walchensee geht, dessen Farbe nichts mit seinem Alkoholgehalt zu tun habe.

Und so dröge wie Vilsmaier hat wohl selten einer vom exzentrischen Märchenkönig Ludwig berichtet.

Der verzopfte Tonfall wird ergänzt von Liedern der Band Haindling, die, wenn etwa ein See gezeigt wird, von dem singen, was Bayern zur touristischen Perfektion fehlt: vom Meer.

So entpuppt sich diese filmische Ode an Bayern als leider uninspirierter Werbeclip, dem es nicht nur an Charme, sondern vor allem an Leidenschaft gebricht.

"Bavaria - Traumreise durch Bayern", Deutschland 2012, 92 Minuten, FSK: ohne Altersbeschränkung