Eine stille, fast verhaltene Fabulierlust ist es, die sich in der Magdeburger Galerie "Himmelreich" breitmacht. Malerei und Grafik von Hannes H. Wagner erinnern an den halleschen Künstler, der vor zwei Jahren gestorben ist. Bis zum 31. August lädt die Schau ein.

Magdeburg lJa, diese Präsentation sollte ein Muss sein. Ausschließlich Blätter aus den 1980er und 1990er Jahren sind zu sehen. Ein durchaus repräsentativer Querschnitt aus dem Schaffen Wagners. Der erweist sich einmal mehr als feinsinniger, humorvoller Mensch.

Seine eigene Biografie verfasste der 1922 in Schneeberg geborene mit Augenzwinkern. Erste Erfolge schrieb er sich im zarten Alter von vier Jahren mit "Objekt- und Wandbemalung mit Kopierstift und Stempelfarbe zur Erbauung der Lieben" zu. Nach amerikanischer Kriegsgefangenschaft hängte der in verkürzter Lehre zum Chemiefacharbeiter geschlagene Wagner seinen Beruf an den Nagel und studierte Malerei auf der Burg Giebichenstein, blieb dort als Lehrer.

Von ihr konnte er fortan nicht mehr lassen, auch wenn 1958 auf "allerhöchste Empfehlung" der Rausschmiss als "Vertreter der bürgerlichen Dekadenz und Unmoral" erfolgte. Vier Jahre später dann die Rückkehr, die Formalismusdebatte hatte er überlebt. Bis zur Emeritierung 1987 als Professor blieb der Burgfrieden erhalten. Selbst bezeichnete der Künstler Satire und Humor als seine beiden Freundinnen. Grafik und zeitkritische Malerei wurden von beiden beeinflusst. "Immer die Muse im Auge haben" von 1985 steht beispielhaft für Wagners Spaß am Gestalten. Das Selbstporträt zeigt ihn mit der großen Brille jener Zeit, in der es sich eine barbusige, geflügelte Dame bequem gemacht hat.

Das Fünkchen Humor ging selten verloren. Das belegen die sechs Arbeiten aus der Reihe zu Elias Canettis "Provinz der Menschen". Bei "Er sagte nichts ..." zeigt sich das überdeutlich. Der vor einer Menschenmasse Redende hat dem Publikum den Rücken zugekehrt. "Er hielt die andere Backe so lange hin, bis man ihm einen Orden darauf klebte" lässt den - scheinbar - Geehrten vor Demut und Kriecherei klein werden. Er windet sich fast im Staub, will nur seine Auszeichnung, koste es, was es wolle. Die Texte Canettis regten an, führten zu ungewöhnlichen Lösungen. Das Porträt der Literaten verschwindet fast hinter angedeuteten Schriftzeichen, doch erst einmal auf diese Darstellung eingelassen, sieht der Betrachter das Gesicht, das ihn nicht wieder loslassen will.

Mehrere kleine Bändchen mit Aphorismen kamen aus Wagners Feder. Zwei davon sind in der Galerie "Himmelreich" käuflich wie auch der Nachdruck der Radierung "Selbst unter Glas".

Galerie "Himmelreich", Breiter Weg 213b, geöffnet dienstags bis freitags 12 bis 18 Uhr, sonnabends 10 bis 13 Uhr und nach Vereinbarung