Magdeburg l Tamás Szalay kann man noch nicht viel zum Inhalt des Bewerbungsbuches entlocken. „Es darf keiner kennen, weil wir im Wettbewerb stehen“, sagt der Leiter des Magdeburger Organisationsbüros Kulturhauptstadt 2025. Acht deutsche Bewerberstädte gibt es: Neben Magdeburg noch Dresden, Chemnitz, Zittau, Gera, Hildesheim, Hannover und Nürnberg. „Keiner gibt im Moment etwas preis“, sagt Szalay. Zumindest bis zur Abgabe sollen die Intentionen Magdeburgs ein Geheimnis bleiben. Abgabetermin ist der 30. September.

Die Fragen sind bekannt, weil vorgegeben und im Internet einsehbar. 38 sind es für jeden Bewerber, unterteilt in sechs Kapitel. Dazu zählen – eher umfassende, theoretisch anmutende – Fragen zu Langzeitstrategien der Stadt, zur europäischen Dimension, zur Einbindung der Gesellschaft und zur Umsetzungsfähigkeit. Bei Letzterem geht es ums Geld. Der Stadtrat hatte bereits 20 Millionen Euro zugestimmt. Vom Land gibt es Unterstützung. Wenn es wirklich zum Titel kommen würde, läge das Gesamtbudget bei 60 Millionen Euro.

Delegation reist nach Berlin

Das erste Bewerbungsbuch, so der kulturhauptstadterfahrene Szalay – unter seiner Ägide bekam Pécs 2010 den begehrten Titel –, ist 60 Seiten stark. „Es ist noch sehr allgemein gehalten“, sagt der gebürtige Ungar, der seit November 2016 die Bewerbung Magdeburgs leitet.

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Im Gespräch wird deutlich: Wenig ist fassbar, nichts wirklich konkret. Es gehe weniger um Projekte, vielmehr um eine Programmstruktur, sagt Szalay. Ein wichtiges Thema sei das gesellschaftliche Miteinander. „Wir wollen Stadtteile stärken und mit Hilfe der Kultur weiterentwickeln.“ Zudem setze man auf das Magdeburger Recht. Szalay: „Das Magdeburger Recht hat die Rechte der Bürger gegenüber der Macht gestärkt. Wir wollen fragen, was das heute bedeutet. Wie steht es um die Emanzipation der Bürger und deren Rechte – bei uns und in Mittel- und Osteueropa.“ Außerdem spiele die Elbe eine große Rolle und die Frage, wie der Fluss stärker in die Stadt integriert werden könne.

Dieses Abstrakte vermittelt das Gefühl, dass die Bewerbung noch nicht wirklich angekommen ist bei den Magdeburgern. Szalay will das so nicht stehenlassen. Er nennt Arbeitsgruppen, Workshops, die Gespräche im Kubus, dem Pavillon für die Bewerbung, die einmal im Monat stattfinden. „Es wird viel diskutiert. Aber es stimmt, viele denken, es gibt gleich Projekte und man kann loslegen. Das erwartet die EU aber noch gar nicht“, so Szalay. Das wäre erst Aufgabe der Stadt ab 2021.

Doch erst muss es Magdeburg auf die „Shortlist“ schaffen. Am 10. und 11. Dezember tagt die internationale Jury in Berlin. Magdeburg wird sich dann mit einer Delegation – wie alle anderen Bewerberstädte auch – der Jury stellen. Wie viele Städte in die zweite Runde kommen werden, steht nicht fest. Drei oder vier, schätzt Szalay. Schafft es Magdeburg, würde die Bewerbungsarbeit weitergehen. Das zweite Buch, das dann voraussichtlich im Herbst des nächsten Jahres vorgelegt werden müsste, würde zumindest Musterprojekte beinhalten.

Steigt bei Szalay die Aufregung? „Natürlich. Der Druck ist groß. Aber ich bin überzeugt, dass wir eine starke Bewerbung vorlegen.“