Halle l Seine Frau sagt: „Du bist ein manischer Sammler!“ Sie sagt es mit Ausrufezeichen. Helmut Brade sagt: „Ach nein, die Dinge kommen zu mir.“ Er sei ein „Sammler von Natur aus“, habe als Kind mit Briefmarken begonnen und auch Granatsplitter gesammelt, die die Trophäen der Kriegs- und Nachkriegskinder waren. Die Granatsplittersammlung hat der 1937 geborene Hallenser Bühnenbildner, Plakatgestalter und Grafikdesigner Helmut Brade nicht mehr. Die Briefmarkensammlung wird beständig erweitert. Aber nur um besonders schöne Stücke, denn Helmut Brade interessiert, wie „künstlerische Leistungen in die Populärkultur eingehen“.

Aus dem Interesse für die Prinzipien grafischer Gestaltung entstand auch seine Weineti-kettensammlung. Manche, besonders schöne Etiketten, hängen gerahmt an den Wänden seiner Wohnung. Andere – ebenfalls Besondere – hat er für ein Plakat genutzt. Denn an ihrem Beispiel könne man alles über Gestaltung lernen und lehren, sagt Brade, der manchen Wein wegen der Etiketten kauft (und trinkt), der sich aber auch schon bei französischen Winzern Etiketten erbettelt hat.

„Ich sammle aus ästhetischen Gründen, was in mein persönliches Gestaltungskonzept passt“, sagt Brade, der Mitglied in der exklusiven Grafiker-Vereinigung „Alliance Graphique Internationale“ ist. Nach diesem Prinzip entstand auch seine Sammlung von historischen und zeitgenössischen Plakaten. Es sei ihm nie um irgendeine Form von Vollständigkeit gegangen. Es gehe vielmehr um das, was ihm im Leben begegnet ist und begegnet. Albert Ebert zum Beispiel traf er an der Burg Giebichenstein, an der Brade zwischen 1955 und 1960 Keramik, Architektur und Grafik studierte.

Dort arbeitete der Maler als Heizer und schuf im „Nebenberuf“ eines der eigenständigsten malerischen Werke seiner Zeit. Helmut Brade war mit ihm befreundet, knüpfte Kontakte für ihn, kaufte Bilder, wenn Ebert dringend Geld brauchte, druckte alle seine 100 Lithografien ohne Bezahlung. Als Gegenleistung bekam er je ein Exemplar. Das meint Helmut Brade, wenn er sagt, dass die Dinge zu ihm kommen, denn letztendlich besitzt er neben einigen Gemälden eine vollständige Sammlung dieser Drucke.

Helmut Brade nennt sich selbst einen „Spießer“, der alles aufhebt und daraus Bücher macht. Das ist ganz klar Koketterie. Denn der Künstler, der als Plakatgestalter und Buchkünstler weltweite Anerkennung fand und seit 30 Jahren mit dem Opernregisseur Peter Konwitschny zusammenarbeitet und dessen aktuelle Inszenierung von Händels „Caesar“ an der Oper Halle Brade gerade ausgestattet hat, ist das Gegenteil von einem Menschen, den man als „Spießer“ bezeichnen würde. Doch Brade ist ein Bewahrer, einer, der sich nicht von Dingen trennt, sondern sie verwendet – als Grundlage für Ausstellungen und Bücher zum Beispiel. Im Frühsommer zeigte er in der Hallenser Galerie Erik Bausmann eine Auswahl der Entwürfe zu seinen insgesamt 700 Plakaten. Aus seinen Texten hat er das Buch „Ich zeichne noch Buchstaben“ gemacht, die Plakatentwürfe finden sich in einem Buch von 2014.

„Ich bin nicht der, der sucht, was zu sammeln wäre, aber durch die Beziehungen des Lebens sind mir viele Dinge zugefallen, die sich jetzt irgendwann als Sammlung darstellen“, sagt Helmut Brade und ergänzt: „Manches habe ich geschenkt bekommen, manches getauscht, manches gekauft. Wenn man als Künstler unter Künstlern lebt, dann fällt einem eben immer mal etwas zu.“