Magdeburg l „Ich umgebe mich gern mit schönen Dingen“, sagt Sven Nordmann. Und: „Kunst muss mir gefallen, sonst kaufe ich sie nicht.“ Was im ersten Moment vielleicht ein wenig naiv klingt, ist Ausdruck großer Konsequenz, klarer Vorlieben und bewusster Sammler-Entscheidungen. Der Magdeburger Immobilienunternehmer Sven Nordmann sammelt nicht nach Bekanntheit und Namen, sondern allein nach seinen eigenen Interessen und Vorlieben.

Am Anfang – das war vor 20 Jahren – kaufte Sven Nordmann Drucke bekannter Künstler wie Jörg Immendorf oder Sigmar Polke. Als sein Urteil sicherer wurde, begann er, junge Kunst aus Sachsen-Anhalt und Umgebung zu sammeln. „Da sind die Preise noch halbwegs normal“, sagt Nordmann, der sich selbst als geizig bezeichnet und der gern ein wenig um den Preis für die Kunst feilscht. Handeln macht ihm sichtlich Spaß, etwas zu einem guten Preis zu bekommen, freut ihn. Übel habe ihm das noch kein Künstler genommen, sagt Nordmann, denn er beobachtet seine Künstler immer weiter, kommt wieder, kauft wieder.

Sozialarbeiter wird Sammler

Beruflich hat der studierte Sozialarbeiter, der 1992 aus Hannover nach Magdeburg kam und blieb, nichts mit Kunst zu tun. Er baute in Magdeburg anfangs eine SPD-nahe Jugendorganisation auf, arbeitete im Stadtteil- und Quartiersmanagement, bis er seine Liebe und Begabung für den Immobilienhandel entdeckte, zum Beruf machte und vermögend wurde. Magdeburg ist er treu geblieben, der Künstlerszene der Stadt auch, wobei er sich auch da nicht auf die Stadt, das Bundesland oder Deutschland festlegen lässt: Wenn ihm etwas gefällt, kauft er es.

Spricht man mit ihm über seine Sammlung und sein Sammeln, erscheint das Kaufen von Kunst als etwas, das man mit „eine selbstverständliche Leidenschaft“ umschreiben könnte. Sven Nordmann geht viel in Museen und auf Kunstmessen, er lernt Künstler, Galeristen und andere Sammler kennen und pflegt viele Freundschaften zu Künstlern.

Vernunft des Geschäftsmannes

Seine Kaufentscheidungen beeinflussen die nicht. Nur wenn ihm etwas gefällt, muss er es haben. Nordmann schränkt sofort ein. „Das muss ich haben, ist übertrieben formuliert. Das möchte ich haben, trifft es besser.“ Die Leidenschaft des Sammlers und die Vernunft des Geschäftsmannes – bei Nordmann gehen sie eine geradezu harmonische Beziehung ein.

„Bei mir hängen Bilder, die ich mag und deren Betrachten mir Freude macht. Für alles andere gehe ich ins Museum.“

Am interessantesten ist für ihn derzeit das Werk von Sebastian Herzau. Von Herzau, 1980 in Schönebeck geboren und Absolvent der Burg Giebichenstein, hat er bereits mehrere Werke, denn seine Entwicklung beobachtet und begleitet Nordmann seit längerem. Auch der nächste Kauf wird ein Herzau sein. Doch darauf muss er noch ein wenig warten. Sebastian Herzau hat eine Warteliste für seine „Stillleben“ – auf Pappe gezeichnete typische Stilllebenmotive, die er mit Klebeband an seine Atelierwand heftet, um diese Arrangements dann zu malen. Sven Nordmann steht auf Listenplatz fünf.

Auch bei Benjamin Burkhard kam er noch nicht zum Kauf. Ein anderer Magdeburger Sammler schnappte ihm das favorisierte Bild weg. Nun wartet Nordmann auf die nächste, ihn überzeugende Arbeit.

Da Sven Nordmann nicht seinen eigenen Status mit der Kunst aufwerten will, sondern allein zu seiner Freude sammelt, kommen Künstler in die Sammlung, die so witzig wie der Magdeburger Maler Mue sind oder ein Autodidakt, Kunstvermittler und Maler wie Jan Focke aus Schönebeck. Von Max Grimm hat er gleich mehrere große bunte Köpfe. Volker Kiehns Metallmännchen verteilen sich in den Wohnräumen ebenso wie ersteigerte Künstler-Ostereier.

Mittlerweile hat Nordmann so viel Kunst gekauft, dass längst nicht mehr alles aufgehängt werden kann, denn jede freie Wand ist bereits voller Kunst. Gezählt hat er die gesammelten Werke noch nie, weit über hundert sind es sicher, auf genauere Zahlen will er sich nicht festlegen. Und dann sagt er diesen Satz, der sein Sammeln so einfach und verständlich beschreibt: „Bei mir hängen Bilder, die ich mag und deren Betrachten mir Freude macht. Für alles andere gehe ich ins Museum.“