53 Veranstaltungen unter dem Motto „Was sind Grenzen?“

Das Kurt-Weill-Fest zu Ehren des in Dessau geborenen Komponisten findet vom 28. Februar bis 15. März 2020 statt. Es steht unter dem Motto „Was sind Grenzen?“.

Mit 53 Veranstaltungen bietet das Festival wieder Musik in Theatern, Kirchen, historischen Stätten, Museen und ungewöhnlichen Orten von Dessau-Roßlau über Magdeburg, Halle und Wörlitz.

Zu erleben sind Künstler wie Rolando Villazón, Thomas Quasthoff, Martina Gedeck, Julia Engelmann, Tim Fischer oder das Moka Efti Orchestra.

Artist-in-Residence ist der Sänger und Schauspieler Vladimir Korneev.

Am Theater Magdeburg gibt es am 14. März die Premiere der Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“. Die Musik stammt von Weill, der Text von Brecht. Die Produktion ist eine Kooperation mit dem Weill-Fest.

Das komplette Programm steht im Internet unter www.kurt-weill-fest.de

Magdeburg l Zum Kurt-Weill-Fest (28. Februar bis 15. März 2020) ist eine illustre Gäste-Schar geladen: Rolando Villazón, Thomas Quasthoff, Martina Gedeck – und Julia Engelmann. Ein Gespräch mit der 27-jährigen Schauspielerin, Sängerin, Poetry-Slammerin Engelmann in Magdeburg:

Julia, waren Sie schon einmal beim Kurt-Weill-Fest?
Julia Engelmann: Nein. Aber ich freue mich darauf.

Gibt es etwas, was Sie mit dem Komponisten verbinden?
Kurt Weill hat Gedichte des Amerikaners Walt Whitman vertont. Whitman ist mir sympathisch, ich lese ihn sehr gern. Dann kam die Einladung zum Kurt-Weill-Fest. Für mich stand gleich fest, dass ich die annehme.

Was erlebt der Besucher?
Mein Programm ist immer eine Mischung aus Gedichten und Musik, es gibt Hybride. Ich habe eine Band dabei, die ganz viele Instrumente spielt. Es gibt Konfetti. Jeder kann mir eine Frage stellen, wenn er mag. Ich habe das Bühnenbild selbst gemalt. So ein Abend fühlt sich immer an wie eine gute Mischung aus Silvester und einem Treffen mit Freunden.

Passt das zum Weill-Fest?
Warum nicht!

Weil das Publikum sicher ein anderes ist als bei Auftritten von Julia Engelmann.
Zu mir kommen Großeltern und bringen ihre Enkel mit, Frauen ihre Männer. Ganze Familien sind im Publikum. Der größte gemeinsame Nenner von Menschen, die zu meinen Veranstaltungen kommen, ist das Interesse an der Welt.

Mit einem Video bei Youtube sind Sie 2014 bekannt geworden. Millionen Menschen hatten das Video gesehen. Fühlen Sie sich als Star?
Ich empfinde mich nicht so. Star ist ein Wort, das in meinem Umfeld nicht fällt. Ich vergesse meine Bekanntheit, wenn ich auftrete. Ich fühle mich sehr verbunden mit Menschen. Wenn ich schreibe, habe ich das Gefühl, dass ich mit ihnen teilen kann.

Wie definieren Sie für sich Poesie?
Poesie ist für mich meine Weltanschauung, ein unglaublich freier Raum, in dem alles wertfrei möglich ist. Da ist Platz für ganz viel Phantasie, um am Leben festhalten zu wollen, um das Nicht-Verstehbare verstehen zu wollen und das Unteilbare teilen zu wollen.

Sie singen, Sie dichten. Was liegt Ihnen besonders nah?
Für mich gehört beides zusammen. Ich schreibe fast nie, ohne Musik zu hören. Zu jedem meiner Gedichte gibt es ein Lied, das mich sehr bewegt hat. Das geht alles Hand in Hand. Ich habe schon beim Dichten ein musikalisches Bild vor mir. Für mich ist das alles ein Gefühl, das ich abmale. Einzelne Lieder sind wie Schlüssel zu meinen inneren Türen. In meinem Herzen bin ich jemand, der alles Schöne teilen will. Das kann ich auf vielen möglichen Wegen.

Wenn Sie auch schon fürs Bühnenbild verantwortlich zeichnen – sind Sie eine Alleskönnerin?
Nein, ich kann vieles nicht, aber ich lasse mich nicht davon aufhalten. Ich mache einfach.

Aber Gedichteschreiben ist eine Kunst.
Ich denke, jeder hat Poesie in sich. Ich hatte schon immer den Drang zu schreiben und habe es getan, um Dinge festzuhalten. Ich habe einfach geschrieben und es für mich weiter vervollkommnet.

Müssen die Themen, über die Sie schreiben, Sie selbst berühren?
Ja. Erwachsenwerden, Identität, Liebe, Familie. Das berührt nicht nur mich, sondern uns alle. Ich habe angefangen zu schreiben, als ich mich mal einsam gefühlt habe. Da kam die Frage in mir auf, ob sich andere auch so fühlen oder ob ich ganz alleine stehe mit meiner Antwortsuche. Dann hab ich mich mit der Frage auf die Bühne getraut. Mit der Zeit und meinen Auftritten stelle ich zunehmend fest, dass wir uns alle viel ähnlicher sind, als es auf den ersten Blick wirkt. Ich denke, in meinen Texten ist das drin, was uns alle irgendwie verbindet. Ich fühle mich sehr als eine in der Mitte der Menge.

Wie sieht Ihr nächstes Jahr aus?
Ich spiele vor allem auf Festivals. Im letzten Jahr habe ich eine große Tour gemacht, die nächste große zusammenhängende Tour ist noch nicht angekündigt.

Neue Projekte hat man aber immer.
Ich habe ganz viel Lust auf verschiedene Sachen. Ich will Musik machen, Gedichte scheiben – und vielleicht ja auch eine Geschichte.

Julia Engelmann ist am 5. März zu Gast beim Kurt-Weill-Fest. Mit ihrem „Poesiealbum“ ist sie ab 20 Uhr im Steintor-Varieté in Halle zu erleben. Informationen und Karten gibt es telefonisch unter (0341) 14 990 900.