Berlin (dpa) l Seit vier Jahren liegt der weltberühmte Pergamonaltar in einem Dornröschenschlaf. Versteckt hinter einer stabilen „Einhausung“ aus Metall soll der riesige Steinkoloss aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus die Sanierung „seines“ Berliner Museums unbeschadet überstehen. Die Wiedereröffnung ist frühestens 2023 geplant.

Ab November sind jetzt aber zumindest wieder Teile für Besucher zu sehen. Dann wird das lang ersehnte Ausweichquartier direkt gegenüber der Museumsinsel eröffnet, wie die verantwortliche Stiftung Preußischer Kulturbesitz mitteilte. Ursprünglich war der Start bereits für Ostern vorgesehen.

In dem temporären Bau mit dem ambitionierten Namen „Pergamonmuseum. Das Panorama“ wird der restaurierte Telephos-Fries aus dem Altar zu sehen sein, dazu weitere wichtige Meisterwerke der antiken Metropole. Eine 3D-Visualisierung soll einen Gesamteindruck der monumentalen Anlage an der kleinasiatischen Küste in der heutigen Türkei vermitteln.

Asisis faszinierende Panoramen

Berlin/Leipzig (mh) l In Leipzig hat Yadegar Asisi im Jahr 2003 zum ersten Mal eines seiner faszinierenden Panoramen gezeigt. Es hieß "Evererst" und nahm die Besucher in eine Welt auf 6000 Metern Höhe mit. Inzwischen hat Asisi zwölf Panoramen entwickelt - dazu gehören "Dresden 1945", "Die Mauer" und Amazonien".

  • Great Barrier Reef: Im Maßstab 1:1 zeigt das Panorama die Fragilität und Schönheit des Korallenriffs vor der australischen Küste. Das Panorama soll bis 15. Januar 2017 im Leipziger Panometer zu sehen sein. © asisi

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  • Im Berliner Pergamonmuseum hat Yadegar Asisi das antike Pergamon wiederauferstehen lassen. Die Ausstellung war im Jahr 2011 zu sehen. © asisi

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  • Das Panorama im Pergamonmuseum ließ einen Einblick in die Architektur und das Alltagsleben im Jahr 129 nach Christus möglich werden. © asisi

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  • Im Pergamon-Museum konnten Besucher erleben, wie sich Pergamon am Fuße der Akropolis erstreckte, am Horizont ließ die Schau das Mittelmeer erahnen. © asisi

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  • Dresden 1945: In diesem Panorama ließ Asisi die Bombardierung Dresdens im Jahr 1945 sichtbar werden. Es soll auf die Wechselwirkungen in der kriegerischen europäischen Geschichte verweisen. Die Schau ist noch bis zum 8. Mai 2016 in Dresden zu sehen. © asisi

    Dresden 1945: In diesem Panorama ließ Asisi die Bombardierung Dresdens im Jahr 1945 sichtbar...

  • Bei der Schau in Dresden geht es auch darum, dem Wiederaufbau Respekt zu zollen. Dabei spielen Zeitzeugen eine wichtige Rolle, aber auch die Thematik Stadtplanung. © asisi

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  • Das Panorama

    Das Panorama "Dresden 1945" wird von einer multimedialen Ausstellung begleitet. © asisi

  • Die Mauer: Wie sah der Alltag in der geteilten Stadt aus? Eine Frage, der die Panorama-Schau in Berlin nachgeht. Das Panorama ist seit 2012 in Berlin zu sehen. © asisi

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Panorama-Bild von Asisi

Der Künstler Yadegar Asisi zeigt zudem ein riesiges, nach wissenschaftlichen Kriterien überarbeitetes Rundpanorama der Stadt. Bei einer ersten Ausstellung 2011/2012 hatte sich dieses mit Musik und Tönen untermalte Bild als Publikumsmagnet erwiesen. Mit dem neuen Ausstellungshaus soll nach den Worten von Stiftungspräsident Hermann Parzinger das Thema Pergamon für die Besucher „erfahrbar“ bleiben.

Der Interimsbau – ein anthraziter Block mit einem wuchtigen, mattgoldenen Turm – ist ein Novum für die Staatlichen Museen. Die Stuttgarter Wolff Gruppe hat das Haus nach einer Idee von Asisi mit privatem Geld in Leichtbauweise errichtet, die Kosten sollen durch den Eintritt wieder hereinkommen. Das Grundstück stellte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben kostenlos zur Verfügung.

Sanierung seit 2013

Grund für die aufwendige Aktion ist die andauernde Sanierung des Pergamonmuseums. Das Anfang des vorigen Jahrhunderts eigens für den Altar gebaute Haus wird seit 2013 in zwei Abschnitten saniert. Ein Großteil des Altars, vor allem der legendäre Gigantenfries am Sockel, sollte dabei aus Sicherheitsgründen nicht ausgebaut werden. Er bekam seine Schutzhülle, der Altarsaal wurde 2014 für Besucher geschlossen. Inzwischen hat sich, wen wundert‘s in Berlin, die eigentlich für 2019 erhoffte Wiedereröffnung mindestens bis 2023 verschoben. Vor zwei Jahren teilten die Verantwortlichen mit, vor allem Schwierigkeiten mit dem Baugrund hätten zu den Verzögerungen geführt. Die Kosten stiegen demnach von 261 auf sage und schreibe 477 Millionen Euro.

Mittlerweile gehen die Sanierungsarbeiten voran, teilte das verantwortliche Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung mit. Die Tiefbaumaßnahmen seien abgeschlossen, die Dachkonstruktion und die Lichtdecken fertiggestellt, sagte eine Sprecherin. Derzeit laufe der Einbau einer neuen Treppenanlage für den barrierefreien Zugang zum Haus.

Derweil läuft Tür an Tür im Südflügel der Museumsbetrieb weiter. Dort sind Attraktionen wie das Ischtar-Tor, das Markttor von Milet und die Mschatta-Fassade wie gewohnt zu sehen. Nach der Eröffnung des Ausweichquartiers ist ein gemeinsames Ticket für beide Häuser geplant.