Berlin (dpa) l Das brennende Schanzenviertel, Randalierer in schwarz, überfordert wirkende Polizisten und dazwischen friedliche Demonstranten und Anwohner: Der G20-Gipfel in Hamburg im Juli vergangenen Jahres löste hitzige Diskussionen über Sinn und Unsinn solcher Treffen in Großstädten aus. Das Musical „Welcome to Hell“, das an diesem Donnerstag (15. März) in der Neuköllner Oper in Berlin Premiere feiert, blickt aus verschiedenen Perspektiven auf das Geschehen rund um den Gipfel der Staats- und Regierungschefs.

Regisseur und Autor Peter Lund sieht das Werk in einem größeren gesellschaftlichen Kontext. „Die Grundsache war die Feststellung, dass die Grenzen wieder hochgehen“, erklärt der 52-Jährige. Als Beispiele nennt er das „America First“-Motto von US-Präsident Donald Trump und die Abriegelungsbestrebungen der EU. Der Gipfel biete dabei die Kulisse, vor der sich die großen Konflikte der Welt abspielen.

Projekt stammt von Studenten

Das Stück ist eine Koproduktion der Neuköllner Oper mit dem Studiengang „Musical“ der Berliner Universität der Künste (UdK), an der Lund als Professor tätig ist. Bei ihm und den Studierenden habe zu Beginn des Projekts das Gefühl vorgeherrscht, das die „Welt wieder zerfalle“. Der Titel des Musicals erinnert an den gleichnamigen Protest am Vorabend des eigentlichen Gipfels, bei der Polizei und Demonstranten erstmals heftig aneinandergerieten.

Im Zentrum der Handlung steht das Aufeinanderprallen eines jungen, zunehmend radikalisierten Anarchisten und eines traumatisierten Polizisten, der sich von der Politik im Stich gelassen fühlt. „Unser Leitfaden war, dass alle gesagt haben: Gott sei Dank ist keiner gestorben“, sagt Lund. Das Musical spiele mit der Frage, ob am Ende ein Schuss falle oder nicht.

Vorreiter des politischen Musik-Theaters

Lund, der 2016 mit dem Deutschen Musicalpreis ausgezeichnet wurde, gilt als einer der deutschen Vorreiter des politischen Musik-Theaters. In seinem Stück „Welcome to Hell“ zeichnet der Autor nach eigenen Worten ein düsteres Bild des aktuellen Weltgeschehens. Versöhnlich könne man momentan nicht sein. „Es ist nicht die Zeit zu sagen, es ist alles nicht so schlimm“, sagt Lund.