Berlin (dpa) l Manche Erfindungen sind so erfolgreich, dass sie es als Markenname bis ins Wörterbuch schaffen. Der Föhn, die Aspirin und das Tempo zum Beispiel. Doch wohl keine Erfindung hat sich so tief in den Wortschatz der Postmoderne gebrannt wie der Walkman.

Der kleine Kasten, der heute auf den Tag genau vor genau 40 Jahren international eingeführt wurde, war schon nach kürzester Zeit ein Must-have für jeden Jugendlichen. Millionen junger Menschen in der westlichen Welt kapselten sich plötzlich ab. Dazu reichten zwei schaumstoffbezogene Kopfhörer am Bügel. Später steckte man sie als Stöpsel ins Ohr.

Start der mobilen Mediennutzung

„Das war schon ein Paukenschlag, wenn man so will“, sagt Roland Stehle vom Branchenverband gfu, der die Internationale Funkausstellung ausrichtet. „Das war der Startschuss zur mobilen Mediennutzung.“ Mit dem Walkman sei „eine komplett neue Gerätegattung“ aufgekommen. Für CD-Spieler, MP3-Player und schließlich auch Smartphone sei er der „Ur-Ahn“.

Sony-Chef Norio Ohga gilt als einer der Väter des Kultgegenstands. Firmenmitgründer Masaru Ibuka hat bei ihm einen Kassettenspieler in Auftrag gegeben, den man auf Reisen mitnehmen kann. Das Ur-Modell TPS-L2 ist nur eine abgespeckte und verfeinerte Weiterentwicklung eines Diktiergeräts für Journalisten. Der Deutsche Andreas Pavel hat bereits 1977 ein dem Walkman verblüffend ähnliches Gerät entwickelt. Doch Sony startet genau im richtigen Moment durch und landet im Jahrzehnt von Aerobic und Videospielen einen Knaller.

Eigentlich soll das Gerät „Sound-About“ heißen, erst auf dem US-Markt erhält es den Namen „Walkman“. Das ist der Beginn einer Erfolgsgeschichte mit Hunderten Millionen verkauften Stück allein bei Sony. Hinzu kommen Konkurrenzprodukte fast aller großen Hersteller. Tausende dürften ihn heute noch im Karton mit Kindheitserinnerungen lagern. Mancher begrub seinen kaputten Walkman wie ein totes Haustier im Garten. Jungen verbrachten Tage damit, einem Mädchen Tapes aufzunehmen.

Debatte um laute Kopfhörermusik

Untrennbar mit dem Walkman verbunden ist die Debatte um die laute Kopfhörermusik. So mahnt im Oktober 1987 Bayerns Sozialminister Karl Hillermeier (1922–2011), die ständige Musikberieselung aus dem Walkman könne schwerhörig machen. „Es gibt Fakten, die nicht von der Hand zu weisen sind“, sagt der Audiologe Prof. Steffen Kreikemeier von der Hochschule Aalen. Er sieht „eine gewisse Gefährdung“ für das Gehör. „Heute hat jedes Smartphone die Möglichkeit, Musik abzuspielen, und durch Streaming-Dienste ist hier auch kaum ein zeitliches Limit vorhanden.“ Umso wichtiger sei es daher, darauf zu achten, dass der Lautstärkepegel nicht zu hoch sei.

Das Charmante am Walkman war eben gerade das Nicht-Perfekte. Selbst wenn die Batterien mal nicht kurz vor dem Exitus waren – regelmäßig kam es zu Bandsalat, weil die Kassette schon ausgeleiert war. Joggen konnte man mit der empfindlichen Feinmechanik auch nicht gut. Von Wasser und Hitze musste man Walkmen fernhalten. Irgendwann machte die digitale Revolution ihnen den Garaus. Dem Ende der Ära Helmut Kohl folgte das Ende der Ära Walkman. Wurden in Deutschland 1994 noch 4,2 Millionen Stereopockets verkauft – so heißt der Oberbegriff für alle mobilen Mini-Cassettenspieler –, so waren es im Jahr 2014 gerade noch einmal 20.000. Danach reißen die Aufzeichnungen der Experten ab.