Magdeburg l Am 1. September 1958 hob sich das erste Mal der Vorhang an der Städtischen Puppenbühne in Magdeburg. „Der gestiefelte Kater“ war das erste gezeigte Stück. 60 Jahre später wird „Der gestiefelte Kater“ sozusagen als Hommage wieder auf der Bühne stehen. Aber ganz anders als damals. Das Grimm’sche Märchen wird von Roscha A. Säidow als Singspiel inszeniert. Sechs Jahrzehnte zuvor hatte der Intendant die Premiere Playback geplant. Das Theater war noch ein Provisorium. Wer zuschauen wollte, der musste seinen Stuhl selbst mitbringen.

Besucherzahlen von heute waren damals nicht in den kühnsten Vorstellungen denkbar. 56.000 kleine und große Zuschauer hat das Haus in der vergangenen Spielzeit in 525 Vorstellungen begrüßt. Ähnliche Größenordnungen schweben dem Intendanten auch in der Jubiläumsspielzeit vor. Der kündigte gestern auf der Pressekonferenz Genregrenzen überschreitende Inszenierungen an. „Wir machen Singspiel, Kammeroper, Musical. In der neuen Spielzeit steckt richtig viel Musik“, sagte Michael Kempchen.

Das musikaffine Ensemble hat nicht erst zuletzt beim Hofspektakel „Mozart“ bewiesen, dass es ausgesprochen musikalisch ist. Da gab es neben ideenreichem Puppenspiel jede Menge Chorszenen und Ausflüge ins Musical und in die Oper. Das Magdeburger Puppentheater steht längst für solch innovativen Wege, um die Vielfalt der eigenen Kunstform auf die Bühne zu bringen. Und so soll es auch in der Jubiläumsspielzeit sein. Alles andere als Mut, weiterhin Neuland zu betreten, wäre auch verwunderlich.

Auf dem Spielplan stehen Erzähltheater mit Video und Animation, Stückentwicklungen als Uraufführung, ein Musical im Hofspektakel nächsten Sommer mit – natürlich – viel Live-Musik.

Längst in Arbeit ist erstmals eine Kammeroper mit Puppen. Sie wird im März 2019 als Kooperation mit dem Theater Magdeburg Premiere feiern. Roscha A. Säidow schreibt das Libretto für „Die wahre Geschichte von King Kong“. Frank Bernhardt, der künstlerische Leiter, stellte gestern das Projekt vor, das sich um die bekannte Affen-Geschichte dreht, die das Puppentheater wie ein Fenster in die Vergangenheit aufarbeiten möchte. Vor einem Weltgericht sollen die wahren Todesumstände des monumentalen Tieres ergründet werden. Hat sich eine Gemeinschaft zusammengefunden, um Fremdes, nicht Gewohntes zu töten? Bernhardt spricht von einem Brückenschlag ins Heute: „Es geht auch um die Frage, wie offen wir Fremden gegenüber sind.“ Kempchen schloss an, man wolle sich weiterhin den Fragen um zunehmende Respektlosigkeit und Verrohung in der Gesellschaft stellen.

Vor allem aber soll feste gefeiert werden. Am 7. Oktober gibt es ein Familienfest und die Eröffnung der Ausstellung zu Xaver Schichtl, der einst die Idee zu einem Puppentheater in Magdeburg hatte. Geladen wird auch zur künstlerischen Geburtstagstafel – natürlich 60 Meter lang.