Der Internationale Jugend-Klavierwettbewerb in Wernigerode präsentierte 62 Musiker aus 23 Ländern "Neue Sterne" strahlten in familiärer Atmosphäre
Eine glanzvolle Woche mit fast 70 Stunden Pianomusik - das war der 3. Internationale Klavierwettbewerb "Neue Sterne" vom 5. bis 11. März in Wernigerode.
Wernigerode l Der Initiator und Juryvorsitzende, der jüdische Pianist Professor Albert Mamriev (Hannover), fand für die Gastgeberstadt, die Vielzahl der Organisatoren und Geldgeber und seine internationale Beratermannschaft aus Deutschland, Italien, Kuba, Spanien und den USA die erfreulichsten Worte des Lobes.
Riesiges Lob auch von den Besuchern des Musikmarathons. Häufigster Satz des fachkundigen Publikums, zu einem großen Teil selbst Pianisten, Klavierlehrer oder -schüler: "Ich möchte nicht über das Weiterkommen der Teilnehmer entscheiden müssen. Die Jury hat es außerordentlich schwer!" Das lag an der ganz außergewöhnlichen Leistungsdichte!
Angemeldet hatten sich rund 100 Teilnehmer aus aller Welt, mit Schwerpunkten in Japan, Südkorea, China und Russland. Gekommen waren letztlich 62 Künstler aus 23 Ländern. Das ist schon überaus bemerkenswert - den teuren Flug und den Aufenthalt in der bunten Stadt müssen sie selbst bezahlen. Urias Ederson aus Brasilien nutzte dazu ein Stipendium. Die Wettbewerbsteilnahme bringt kein Honorar ein. Die Verheißung auf einen der fünf abgestuft mit 500 bis 6000 Euro dotierten Preise ist schon eine sehr vage Aussicht.
Aber der Wettbewerb mit seinem Low-Budget-Charakter hat sich nach nur zweifacher Ausrichtung 2010 und 2011 einen fast legendären Ruf unter den weltweit vergleichbaren 1500 Klavierwettbewerben erworben, auch durch den fast familiären Charakter der liebenswerten kleinen Stadt und ihr großes Musikpotenzial.
Die Klavierbauerfirma Schimmel aus Braunschweig unterstützte mit einem wertvollen Solisteninstrument und Digital-Pianos zum Üben. Das Landesgymnasium für Musik, die neue Kreismusikschule, das Philharmonische Kammerorchester und weitere Probenorte boten beste räumliche und inhaltliche Möglichkeiten ebenso wie private Unterstützer - so Anna-Elisabeth Bronisch oder das Musikerehepaar Toppel, das 15 Teilnehmer beherbergte. Mit einigen entstand eine künstlerische Freundschaft, wie mit Viktoras Paukstelis aus Litauen. Im Sommer wird die Zusammenarbeit mit gemeinsamen Auftritten fortgesetzt. Nach der ersten Runde blieben noch 24, nach der zweiten Runde noch 13 Pianisten übrig. Im Gedächtnis bleiben Namen wie Christina Choi Hyun-Ah (Südkorea), Shima Primavera (Österreich), Mari Tada (Japan), Zsolt Birtalan (Ungarn), Daniel Borovitzky (Israel), Xavier Gomez-Dolera (Spanien), Mark Taratushkin (Russland) und Krzystof Trzaskowski (Polen). In die Finalrunde mit dem Kammerorchester am 11. März ab 16 Uhr zogen dann vier Künstler ein. Dreimal spielten sie komplett das Beethoven-Klavierkonzert g-Moll Nr. 4. Sehr unterschiedlich.
Männlich beherzt, mit Tempo und kräftigem Anschlag der 30-jährige Russe Alexander Yakovlev; der 20-jährige Spanier Pablo Martinez fast tänzerisch beschwingt und die 24-jährige Belgierin Stephanie Proot lyrisch, zart und filigran. Einmal erklang das Beethoven-Klavierkonzert Nr. 3 mit der israelischen Pianistin Maria Yulin (23) - sehnsuchtsvoll und voller leiser, empfindsamer Töne. Dem Kammerorchester für seinen zehnstündigen Einsatz mit Proben und Aufführung ein besonderer Dank!
Die Preisverleihung ließ bis 20.30 Uhr auf sich warten. Dann hatte die Jury zu einem salomonischen Urteil gefunden. Prof. Mamriev: "Es war ein unglaubliches Finale. Wir sind sehr, sehr zufrieden!"
Mit Oberbürgermeister Peter Gaffert, der betagten Schirmherrin aus Braunschweig, Dr. Gerda Rohde, und Wernigerode-Repräsentanten überreichte er die Preise. Zwei zweite Preise an Maria Yulin und Pablo Martinez, und je einen ersten Preis an Stephanie Proot und Alexander Yakovlev. Der Publikumspreis ging an den erst 18-jährigen Dmytro Choni aus der Ukraine, der unbekümmert und mit sagenhafter Leichtigkeit mit dem Charme der Jugend am Sonnabend verzaubert hatte.