Magdeburg/Halle l Schmuckdesign, Malerei und Grafik, Textilkunst, Fotografie, Plastik, Keramik – wenn am Wochenende Künstler ihre Ateliers öffnen, ist die Bandbreite Bildender Kunst erfahrbar. 90 Künstler zeigen ihre Arbeitsplätze und das, was dort entsteht. Bei so manchen gibt es Kaffee, Kuchen, Wein, Musik, Poesie, kleine Workshops, erste künstlerische Anleitungen – vor allem aber immer wieder Gespräche. Der Kontakt zum kunstinteressierten Publikum ist das A und O an diesen beiden Tagen.

Diese Begegnungen sind um so wichtiger in einem Land, in dem Sammler und Galerien überschaubar gesät sind. „Der Kunstmarkt in Sachsen-Anhalt lässt nach wie vor Wünsche offen“, sagt Ruth Heftrig, Geschäftsführerin des Landes-BBK, der für das Projekt der Offenen Ateliers verantwortlich zeichnet. „Verkaufsgalerien, von denen es einige mit tollem künstlerischen Profil gibt, schaffen es nur mit überdurchschnittlichem Engagement, ihren Betrieb fortzusetzen“, sagt die BBK-Chefin, die aber auch vom positiven Trend neuer Messen spricht wie der gerade zu Ende gegangenen Kunst/Mitte in Magdeburg oder der HAL ART in Halle im November.

Eldorado in Magdeburg-Buckau

Besonders viele Werkstatt-Türen öffnen sich in Halle mit dem Nördlichen und Südlichen Saalekreis. In der Stadt mit der traditionsreichen Burg Giebichenstein, eine der größten Kunsthochschulen Deutschlands, haben sich nach ihrem Abschluss etliche Kunstschaffende niedergelassen. Allein 30 von ihnen laden an diesem Wochenende ein.

In Magdeburg ist das Angebot überschaubarer, aber dort hat sich der Stadtteil Buckau in den vergangenen Jahren zu einem wahren Kunst-Eldorado entwickelt. Der Engpass mit seinen Ateliers ist in der Szene etabliert, ebenso der etwas versteckte Kunst- und Handwerkerhof auf dem Werk4-Gelände. Sechs Künstler sehr verschiedener Handschriften teilen sich dort als Ateliergemeinschaft die Räumlichkeiten. Geöffnet sind traditionell auch die Tessenowgaragen, die von der Stadt Magdeburg Künstlern mietfrei zur Verfügung gestellt werden. Einblicke in ihr Schaffen geben dort Rolf Peter Jasper und Anne Rose Bekker (nur sonnabends).

Auch zahlreiche Einzelateliers sagen „Hereinspaziert“ – wie Gabriele Putz. Die Magdeburger Schmuckgestalterin, die seit ihrem Diplom an der Burg Giebichenstein Anfang der 1970er Jahre freiberuflich arbeitet, lädt ins Haus mit dem angrenzenden Künstlergarten. Seit vielen Jahren schon setzt sie auf solche Tage, an denen die Werkstatt zum geselligen Treffpunkt wird. Ihre Kundschaft weiß diese Angebote zu schätzen.

Man muss nicht in Halle oder Magdeburg wohnen, um Künstler in ihrem Arbeitsumfeld erleben zu können. Werkstätten und Handwerkerhöfe, Ateliergemeinschaften und Freiluftateliers sind im ganzen Land geöffnet, zwischen Harzvorland und der Börde, bis hin nach Dessau-Roßlau, nach Zeitz, Querfurt und in den Landkreis Mansfeld-Südharz.

Mehr als 1000 Künstler in Sachsen-Anhalt

270 Mitglieder zählt der hiesige Berufsverband der Bildenden Künstler. „Sicherlich gibt es über 1000 professionelle Künstler und Künstlerinnen in Sachsen-Anhalt“, sagt Heftrig. Eine konkrete Zahl sei schwer zu sagen. „Vor einigen Jahren hat uns die Künstlersozialkasse mitgeteilt, dass es rund 700 dort versicherte Künstler aus unserem Bundesland gibt. Darin sind diejenigen nicht enthalten, die den vorgeschriebenen Mindestverdienst nicht erreichen oder die Obergrenze an Einkommen überschreiten“, sagt Heftrig. Zudem würden in der Statistik auch die vielen Studenten und die Angestellten zum Beispiel an Hochschulen fehlen.

Von den Offenen Ateliers erhofft sie sich für die Besucher gute Gespräche, Einblicke in die Techniken und inhaltlichen Anliegen sowie angenehme Phasen des Verweilens, Schauens und Genießens. Und für die teilnehmenden Künstler? Heftrig: „Freude an der Vermittlung und natürlich auch die Anbahnung von Ausstellungen, Aufträgen oder Verkäufen.“

Offene Ateliers in Sachsen-Anhalt laden am 14. und 15. September jeweils von 11 bis 18 Uhr ein. Der Eintritt ist frei. Alle Informationen und Teilnehmer gibt es hier.