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Barry-Jordan-Konzert im Magdeburger Dom Orgelkunst-Saison endet zart-romantisch

06.09.2010, 04:17

Von Liane Bornholdt

Magdeburg. Traditionell schließt die sommerliche Orgelkunst im Magdeburger Dom mit einem Konzert von Domorganist Barry Jordan. Zur letzten Orgelkunst 2010 am Freitag hatte er romantische Orgelwerke ausgewählt sowie eines der Moderne, das jedoch der Klangwelt romantischer Orgelkunst nahe steht.

Zuerst erklang die 3. Sinfonie op. 28 von Louis Vierne. Die Komposition ist von mächtiger und wahrlich sinfonischer Klangfülle, wie sie Vierne an der Orgel in Notre Dame Paris zur Verfügung hatte. Barry Jordan hat den sinfonischen Gedanken dieser Musik an der großen Schuke-Orgel im Magdeburger Dom deutlich werden lassen, etwa wenn er neben das faszinierende Eingangsmaestoso die Lyrik der Cantlène stellte und im Intermezzo zarte Pianostimmen erklingen ließ. In allen Klangfarben und Registern bleibt der Klang dieser Orgel weich, selbst in den mächtigen Steigerungen des Finales. Der Klang beeindruckt, aber überwältigt nicht.

Jordan liebt die warmen Töne, die liedhaften, singenden Stimmen, die auch in Theophil Forchhammers Konzertstücken op. 28 zu erleben sind oder in den Variationen über "Veni crator" von Maurice Duruflé. Erstaunlich immer wieder wie gut gerade die feinen Register und die hohen Lagen dieses Instruments im mächtigen Kirchenraum des Domes klingen, und Barry Jordan wählt auch alle Tempi so, dass auch in den Steigerungen und mächtigen Akkordballungen der Orgelklang stets transparent bleibt.

Mächtige Akkorde waren auch in dem Stück "Riff-Raff" des Engländers Giles Swayne zu hören. Swayne, 1946 geboren, hat neben Orgelmusik zahlreiche Chorwerke und ein reiches musikdramatisches Werk geschaffen. Das Stück "Riff-Raff" bezaubert vor allem durch interessante rhythmische Strukturen. In der Art einer freien Fantasie führt das heitere Werk von der Introduktion mit dem rhythmisch betonten Pedalspiel hin zu fröhlichen, sehr tänzerisch wirkenden Abschnitten, die auch mal streng wie eine traditionelle Chaconne klingen, mal wie freie Improvisation. Ein eindrucksvolles Werk, eine mitreißende Entdeckung, ein Stück, wie geschaffen für die große Magdeburger Orgel mit ihrer Klangfarbenpracht.

Barry Jordan gelang mit seiner interessanten Programmauswahl und seinem lebendigen, an Nuancen reichen Spiel ein überzeugender Abschluss der Orgelsaison im Dom zu Magdeburg, der höchste Erwartungen für die kommende Saison weckt.