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Arbeiten von Helmut Brade in der Magdeburger Galerie "Himmelreich" Plakate werden zu Sinnbildern

Von Klaus-Peter Voigt 21.10.2010, 04:14

Plakate dicht an dicht, üppige Farbenlandschaften bilden sich durch das scheinbar wahllose Aneinanderreihen der großformatigen Drucke. Eine aufgerollte Litfaßsäule lockt die Aufmerksamkeit an. Nach fast 15 Jahren präsentiert die Magdeburger Galerie "Himmelreich" zum zweiten Mal – bis zum 19. November – und kurz vor dessen 73. Geburtstag den Hallenser Grafiker Helmut Brade.

"Plakate für die Oper Leipzig" lautet der Titel der Exposition. Seit Mitte 2008 entwirft der Künstler diese in kontinuierlicher Abfolge. Mitunter kommt ein weiterer Auftrag dazu. Dann gestaltet Brade zusätzlich das Bühnenbild. Keine neue Sache für ihn, schon immer fühlt er sich der Bühne verpflichtet. Unruhestand für den umtriebigen Mann, der alles kann, nur nicht die Hände in den Schoß legen.

Helmut Brade erblickte 1937 in Halle das Licht der Welt. Von 1955 bis 1960 absolvierte er sein Studium der Keramik, Architektur und Grafik an der Burg Giebichenstein, war mit dem legendären Albert Ebert befreundet, übernahm 1993 eine Lehrtätigkeit an dieser Hochschule und 1994 die Professur für Kommunikationsdesign. Zwischen 1999 bis 2004 war er Präsident der Freien Akademie der Künste in Leipzig. 2003 verlieh ihm Sachsen-Anhalt den Kunstpreis des Landes.

Plakate sind Brades Welt. Akribisch zählt er jedes gedruckte Exemplar. Das jüngste trägt die Zahl 690. Es sei nicht allein der Ordnungssinn, der dieses Faible begleitet. Ziffern hätten etwas Magisches, man muss sie einfach mögen, räumt er ein.

Ohne jegliche Erfassung gibt es im wahrsten Wortsinn "zahlenlose" Exemplare für Wettbewerbe und solche, die aus unterschiedlichsten Gründen nie gedruckt wurden. Unter den realisierten und vermutlich in hoher Auflage verbreiteten Stücken gehört das zum Film "Paul und Paula" in den 1970er Jahren. Die erste Version war verworfen worden, weil mit dem harten Farbkontrast auch die sozialistische Liebe zu schmerzhaft erschien.

Ihre volle Ausdrucksstärke können die Opern-Plakate in der Galerie nicht entfalten. Vorgesehen sind sie für die sogenannten City-Lights, Werbeflächen, die von hinten beleuchtet werden.

Ein zusätzlicher seitenverkehrter Zweitdruck des Motivs auf der Rückseite gehört dazu, um Farben brillant erscheinen zu lassen. Diese Besonderheit hat keinen Einfluss auf die Präsentation in Magdeburg. Der aufmerksame Betrachter spürt zudem einen kleinen Kunstgriff der Galerie "Himmelreich". Sie "mogelte" unter die neuen Arbeiten Brades auch einige aus der Vergangenheit dazu.

"Plakate sollen einen Einfluss auf das Stadtbild haben", sagt der Grafiker. Und im gleichen Atemzug lobt er Leipzig. Dort habe man die Wirkung solcher Werbung erkannt, setze sie bewusst und zielsicher ein. Das wäre ein Beispiel für andere Kommunen.

Streitbar sind die Blätter für die Oper der Messestadt. Das für die Inszenierung "Carmen" löste Diskussionen aus. Die sonst so selbstbewusste Frau präsentiert sich mit gespreizten Beinen und kindlichem Gesicht. Brade zeigt sie als Opfer, schafft Sinnbilder. Ihm gelingt zudem ein Spagat zwischen vorgegebenen Strukturen für die Opern-Plakate und seiner eigenen künstlerischen Freiheit.

Dass Schriften, Logos und anderes von der Bühne vorgegeben werden, hält der Hallenser für "legitim und moralisch". Nur so könne sie ihr eigenes Erscheinungsbild zeigen und trotzdem interessante Lösungen einfordern. Das enge kaum ein.

Und so sind die Opern-Plakate wuchtig, mit stilisierten Motiven, die ein wenig an Comics erinnern mögen. Ja, dazu stehe er, räumt Helmut Brade klar ein. Als bekennender Plakatmacher wolle er klare Strukturen auf seinen Arbeiten und damit Aufmerksamkeit erregen. Inhalte sollen Impulse geben.