Magdeburg l Nicht nur die Uraufführung von „Peter Hase und seine Freundin Beatrix“ feierte Premiere im Puppentheater, sondern auch die extra für die Inszenierung von Christian Werdin geschaffene Raumbühne. Und allein diese lohnt den Besuch. Im großen Saal wurde das Gestühl ausgebaut und dafür ein mit weißen Stoffbahnen begrenzter runder Raum geschaffen, der an eine mongolische Jurte oder ein Zirkusrund erinnert. In diese wundersame, mit weichem Teppichboden ausgelegte andere Welt erhält man Zugang auf Socken. Das Publikum darf sich auf Kissen ausstrecken und es sich gemütlich machen, genauso wie man es aus der Kindheit kennt, als beim Vorlesen die Zeit stehen geblieben ist.

Einblick in das Leben von Beatrix Potter

In der Mitte thront ein trichterförmiges Gebilde aus weißen Stoffbahnen, das schnell die Sicht freigibt auf die Erzählerin Marianne Fritz, die in ihrem trapezförmigen Rock auf ihrer Mini-Drehbühne alle kleinen und großen Zuhörer im Blick hat und einer filigranen Spieluhrenfigur ähnelt. In ihrem blauen Samtjäckchen erinnert sie sofort an den Protagonisten der wohl bekanntesten Potter-Figur, dem frechen Peter Hase.

Marianne Fritz‘ lebendiges Erzähltheater umfasst aber nicht nur diese Geschichte, sondern gibt Einblick in das Leben der 1866 in London geborenen Beatrix Potter, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur ungekrönten Königin des englischen Kinderbuchs wurde. Fast zwei Dutzend selbst gemalter und geschriebene Bücher im Handtaschenformat wurden zum Markenzeichen der begabten Zeichnerin, die sich in ihrem späteren Leben dem Landleben widmete, Grundstücke aufkaufte und Schafe züchtete.

Dieses Handtaschenformat greift Marianne Fritz geschickt auf und verflicht die Geschichten Potters mit biografischen Anekdoten aus der Kindheit der Autorin, lässt u.a. die Abenteuer der Mäuse im Puppenhaus, des armen Schneiders von Glaucester, und natürlich vom verfressenen Peter Hase schlaglichtartig lebendig werden. Dabei fasziniert die versierte Märchenerzählerin mit einer besonders plastischen Erzählweise und viel Freude fürs Detail und gibt auch einen spannenden Einblick ins Leben im viktorianischen Zeitalter. Der große Stofftrichter über ihrem Kopf wird dabei zu einer überdimensionalen Laterna Magica, auf der von Oliver Feigl liebevoll animierte Zeichnungen der Autorin, Familienfotos oder auch magische Geheimschrift flimmern, die stets Raum für das gesprochene Wort lassen und das Geschehen nie überfrachten.

Kopfkino wird durch Geräusche belebt

Ergänzt wird das Kopfkino von den live erzeugten Geräuschen von Thomas Theunert. Er thront schemenhaft sichtbar über dem Geschehen und lässt knarzenden Schnee, abbrechendes Besteck oder auch die wilde Verfolgungsjagd Peter Hases durch den Garten des verhassten Mister McGregor filmreif hörbar werden.

Das alles setzt sich im Kopf zu einer äußerst poetischen Dreiviertelstunde zusammen, die vom Premierenpublikum begeistert gefeiert wurde. Dringende Empfehlung: hingehen, auf den Kissen ausstrecken und unbedingt im Liegen genießen!

Weitere Vorstellungen des Erzähltheaters sind am Mittwoch, 20. März, Donnerstag, 21. März und Freitag, 22. März jeweils um 9 und 10.30 Uhr.