Magdeburg l Auf der Straße wurde er jüngst mit Achim angesprochen. Achim Sommer ist eine Figur in der Magdeburger Kult-Serie „Olvenstedt probiert’s“. Dieser Achim wird von Michael Günther Bard verkörpert, in allen bisherigen Folgen – so echt, dass für manchen im Publikum Schauspieler und Figur verschmelzen.

Ab morgen nun ist er Dieter, der mal Revierförster im Dorf war und auf dem alle Hoffnungen der Gemeinschaft ruhen, weil ein Wolf im Nachbarort Schafe gerissen hat. „Ich liebe das Stück“, sagt Bard zum Soloabend. Weil es Widersprüche gibt und Zweifel und einen Protagonisten mit vielen Fragen. „Das ist unglaublich aktuell.“

Längster Rückblick auf Magdeburg

Bard, 1967 in Karl-Marx-Stadt, dem heutigen Chemnitz, geboren, begeht mit diesem Stück sein 30-jähriges Bühnenjubiläum. 150 Rollen, so schätzt er, könnten es in dieser Zeit gewiss gewesen sein.

Wenn man heute mit ihm über sein Berufsleben spricht, dann kann er viel erzählen über ihn prägende Rollen (er spielte noch sehr jung den König Lear) oder Engagements an ganz verschiedenen Häusern und die Vor- und Nachteile von Festanstellung und freier Schauspielerei. Bard hat in den 30 Jahren jede Menge miterlebt, aber die Zeit bei den Freien Kammerspielen in Magdeburg nimmt dann doch einen besonderen Raum in seinen Rückblicken ein.

Die Freien Kammerspiele, das heutige Schauspielhaus, waren ein Kind der Wende. Wolf Bunge hatte sie 1990 gegründet – gemeinsam mit einem jungen ambitionierten Team. Michael Günther, damals gerade frisch vom Studium an der Theaterhochschule „Hans Otto“ in Leipzig gekommen, gehörte zur Gründergeneration.

Von Bern bis nach Wiesbaden

Er hielt wie auch Susanne Bard dem Intendanten mehr als zehn Jahre die Treue. Als Bunge Magdeburg verließ, gingen auch die beiden. Theatergänger sprachen von einem Verlust, schließlich hatten beide das Bühnenleben in Magdeburg mitgeprägt.

Für das Schauspielpaar ging es in die Schweiz. Bard erinnert sich noch gut daran, als er mit den Freien Kammerspielen am Theater Bern gastierte und ein Brief auf dem Garderobentisch lag. Man wollte ihn dort. Ab 2001 spielte der 1,90-Meter-Mann wichtige Rollen. Kreon, Prospero, Thomas Buddenbrook. Da gastierte er auch schon am Staatstheater Wiesbaden, seine spätere berufliche Heimstatt, und war manches Mal im Fernsehen zu sehen. Polizeiruf 110, Tatort, Baader-Film.

Rückkehr in die Heimat

In etlichen Städten hat Bard auf den Bühnen gestanden. Aber im Sommer war für das Schauspielpaar Magdeburg reserviert für den stets ausverkauften „Olvenstedt probiert’s“-Klassiker. Die Hälfte des Sommerurlaubs wurde geprobt und aufgetreten.

2014 dann die „richtige“ Rückkehr der beiden nach Magdeburg. Wenn der Mime davon erzählt, merkt man schnell, dass das eine gute Entscheidung war. Magdeburg ist Heimat, sagt er. Hier leben die Freunde und langjährige Schauspiel-Wegbegleiter. Und Magdeburg habe sich entwickelt. Sehr zum Positiven, meint Bard. Der Blick aus der Ferne ist manchmal hilfreich für solche Sicht.

In Magdeburg zurück, gehörte Bard zu den Gründern der Kammerspiele Magdeburg, eine professionelle freie Theatergruppe, die mit ihrer Kunst schnell Fuß fasste. Oftmals waren die Inszenierungen ausgebucht. Jörg Schüttauf wurde von ihnen für ihr vielgespieltes „Abraham“-Projekt nach Magdeburg geholt. Schüttauf war auch der Ideengeber für „Dieter und der Wolf“. Das Theaterstück von Holger Böhme hatte Schüttauf als Hörspiel eingesprochen.

Premiere seit langem ausverkauft

Jetzt ist Bard also der Dieter. Er probte mit Regisseur und Freund Oliver Breite in der Zwickmühle, Ort für die Dieter-Wolf-Gastspiele. Mit etlichen Kollegen und Kultur-Einrichtungen arbeiten die Kammerspiele zusammen – Theater an der Angel, Feuerwache, Forum Gestaltung. Der Wunsch nach einem eigenen Haus ist seit längerer Zeit da, auch wenn das noch mal eine besondere Herausforderung wäre.

Ein Unternehmer, der einen Neubau in Magdeburg plant, will laut Bard den Kammerspielen Räumlichkeiten zur Verfügung stellen. Nach der Magdeburg-Heimkehr und der Gründung des Ensembles, so sagt er dann, wäre das noch mal ein ganz besonderer Höhepunkt. Aber jetzt erst einmal das 30. Bühnen-Jubiläum. Die Premiere ist seit langem ausverkauft.

Karten gibt es noch für die Vorstellungen am 8. November, 9., 10. und 12. Dezember.