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Schaut, wer zurück ist - Chris Rock als Oscar-Moderator

Chris Rock hat es 2005 schon einmal getan. Im kommenden Februar kehrt der bissige Komiker als Oscar-Moderator zurück. Geht die Filmakademie damit auf Nummer sicher? Oder bringt Rock frischen Wind in die Show?

Von Barbara Munker, dpa 20.10.2015, 23:01

Los Angeles (dpa) - Ungewöhnlich zahm verkündete der gewöhnlich bissige US-Komiker Chris Rock sein Oscar-Comeback. Schaut, wer zurück ist, ließ der 50-Jährige am Mittwoch seine Fans auf Twitter wissen.

Er wird ein phänomenaler Gastgeber sein, prophezeiten zuvor die Show-Produzenten David Hill und Reginald Hudlin. Damit beendete die Oscar-Akademie das Rätselraten um die Nachfolge von Neil Patrick Harris (42, How I Met Your Mother).

Der Afroamerikaner Rock mit frecher Klappe wurde schon 2005 als Gastgeber der Gala eingesetzt. Das sei doch bloß eine Modenshow mit idiotischen Preisen, frotzelte er damals und gab unverblümt zu, er habe sich Hollywoods größtes Trophäen-Spektakel noch nie angeschaut.

Die Angst vor seinen bissigen Seitenhieben war berechtigt. Der Witzbold Rock machte sich in der Oscar-Nacht über Hollywoodstars wie Jude Law und Nicole Kidman und über das Filmgeschäft lustig. Er heizte zudem mit einer scharfen Anti-Bush-Tirade ein. 

Die Kritiken fielen gemischt aus, doch die Einschaltquoten stimmten. Rock lockte mehr als 42 Millionen Zuschauer vor den Bildschirm. Harris brachte es im vorigen Februar nur auf knapp 37 Millionen.

Der Oscar-Akademie gehören über 6000 Mitglieder an, überwiegend männlich, die meisten fortgeschrittenen Alters. Gegen den Ruf, ein Club für alte weiße Männer zu sein, kämpft die Organisation schon lange an. Nicht immer mit Erfolg. Zwar wählte sie mit Cheryl Boone Isaacs eine Afroamerikanerin zur Vorsitzenden, doch schaffte es bei der Oscar-Show im vergangenen Jahr kein Schwarzer unter die 20 Anwärter für die Haupt- und Nebenrollenpreise. Guter Grund zum Lästern, erst Recht für einen schwarzen Moderator.

Rock lässt sich ungern den Mund verbieten. Der in Brooklyn unter einem strengen Vater aufgewachsene Schulabbrecher zog mit seinem frechen Mundwerk schon früh über Bühnen und durch Clubs. Nach Auftritten in der Satire-Sendung Saturday Night Live wurde er von seinem Idol Eddy Murphy entdeckt, der ihm 1987 in Beverly Hills Cop 2 den ersten Filmauftritt verschaffte. Nach Nurse Betty und der Actionkomödie Bad Company gab Rock mit der Politsatire Head of State 2003 sein Regiedebüt.

Er moderierte die MTV-Awards, gewann Emmys und Grammys, schrieb ein Bestseller-Buch und hat auch schon einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame.

Zuletzt lieferte er mit der derben Komödie Top Five einen zynischen Blick hinter die Fassaden des Showbiz, eine Darstellung des Lebens als schwarzer Entertainer. Er spielt in Top Five nicht nur die Hauptfigur, den Komiker Andre Allen, sondern schrieb auch das Drehbuch und führte Regie.

Mit Rock auf der Bühne wird die nächste Oscar-Show bestimmt nicht langweilig. Rückendeckung erhielt der Komiker gleich nach seiner Benennung am Mittwoch von seinem britischen Kollegen Ricky Gervais (54). Dieser hatte ab 2010 drei Mal die Golden-Globe-Gala moderiert. Gib mir Bescheid, wenn du nicht genug anstößiges Material hast, twitterte Gervais. Ich habe noch große Mengen übrig.