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Stefan Heym -- Ein Zeuge des Jahrhunderts

10.04.2013, 01:12

Berlin (dpa) l Er bekannte sich zum "sozialistischen Deutschland" - und wurde gleichwohl zur Symbolfigur für den geistigen Widerstand in der DDR. Stefan Heym zählt bis heute zu den wichtigsten Autoren der deutsch-deutschen Nachkriegsgeschichte. Heute wäre der 2001 in Jerusalem gestorbene Autor 100 Jahre alt geworden.

Noch zu Lebzeiten hatte Heym seinen eigenen "Nachruf" geschrieben. In diesen fesselnden, 1988 erschienenen Memoiren schilderte er die Geschichte seines bewegten Lebens: In einem jüdischen Elternhaus in Chemnitz geboren und vor den Nazis ins Exil geflohen, hatte er nach seiner Rückkehr mithelfen wollen, ein besseres Deutschland zu bauen. In der DDR wurde er zum wohl bedeutendsten "oppositionellen Autor".

Nach dem Fall der Mauer griff er 1994 aktiv in die Politik ein, als er als Direktkandidat für die PDS in den Bundestag einzog. Seine Antrittsrede als Alterspräsident fand damals kontroverse Beachtung im vereinten Deutschland - der erste deutsche Schriftsteller und der erste Jude in diesem Amt, wie Heym immer hervorhob. Ein Jahr später gab er sein Mandat jedoch wieder zurück - aus Protest gegen eine Diätenerhöhung.

Als letztes Buch erschien im Jahr 2000 der Roman "Die Architekten". Das schon 1965 abgeschlossene Werk hatte wegen des Publikationsverbots in der DDR nicht erscheinen dürfen. Resümierend meinte der Autor einmal, dass er mit seinem Wirken vielleicht "hier und da" etwas bewegt habe. "Insofern habe ich nicht ganz umsonst gearbeitet." Und vielleicht würden einige Menschen, wenn er längst nicht mehr da sei, noch immer etwas Spaß an seinen Büchern finden und auch etwas zum Nachdenken haben. Heym starb am 16. Dezember 2001 mit 88 Jahren an Herzversagen in Jerusalem.