Magdeburg l Venedig ist eine Stadt zum Träumen. Davon ist man vor 135 Jahren auch in Wien angesteckt, wo alles Venezianische zu dieser Zeit groß in Mode ist. Kein Wunder also, dass der „Walzerkönig“ Johann Strauß zur Feder griff, um die eingängige Musik für eine Operette zu schreiben. Zwei Librettisten, Friedrich Zell und Richard Genée, lieferten ihm die inhaltliche Vorlage. Friedrich Zell ist übrigens ein Pseudonym für den gebürtigen Magdeburger Camillo Walzel, der mit dem Sohn Johann Strauß zusammenarbeitete. Und auch der Regisseur dieser Operetteninszenierung, Erik Petersen, ist ein Rückkehrer, denn seine beachtenswerte Karriere startete er am Theater seiner Heimatstadt Magdeburg.

Er hat die schnell erzählte Geschichte dieser Verwechslungskomödie mit ihren schwungvoll-tänzerischen Melodien, mit Walzertakten und überaus lebendigen Chorszenen kräftig gekürzt und damit die Handlung straffer und lebendiger gemacht.

Eine Vielzahl an Verwechslungen

Guido, der Herzog von Urbino, ist jedes Jahr in Venedig auf der Suche nach amourösen Abenteuern. Diesmal will er unbedingt Barbara, die Frau des Senators Delacqua, erobern. Der allerdings will seine Frau um keinen Preis dem herzöglichen Lüstling überlassen, andererseits buhlt er um eine einträgliche Stelle bei eben diesem. Er beschließt, seine Frau in ein Kloster zu schicken und dafür seine Hausangestellte Ciboletta als seine Frau auszugeben. Das funktioniert natürlich nicht so einfach, so dass eine Vielzahl von Verwicklungen und Verwechslungen schließlich den Rahmen für die Handlung bildet.

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Die wird vor allem von der Fischerstochter Annina, Caramello, dem Leibbarbier des Herzogs, sowie dem Herzog Guido getragen. Hier ragt vor allem Julie Martin du Theil heraus, die die Rolle der Annina nicht nur gesanglich sehr einfühlsam ausfüllt, sondern auch mit exzellenten schauspielerischen Leistungen aufwartet.

Souveräner Tenor

Caramello, gesungen von Jonathan Winell, braucht etwas länger, um seine stimmliche Präsenz herauszuarbeiten, wirkt dann aber besonders im zweiten Teil des Stücks sehr souverän. Der Tenor wurde in New York geboren, hat eine beeindruckende sängerische Biografie und ist seit 2016 Mitglied im Magdeburger Ensemble.

Der deutsche Tenor Ralf Simon ist in Magdeburg kein Unbekannter. Er gastierte in den zurückliegenden Spielzeiten regelmäßig in der Elbestadt. In der Rolle des Herzogs ist er eine überaus gelungene Besetzung. Simon verkörpert den Lebemann, der keiner Frau widerstehen kann, mit einem Augenzwinkern.

Eine wandelbare Bühne

Aus dem Musiktheater nicht wegzudenken ist Peter Wittig, hier in der Rolle des Senators Delacqua. Eigentlich im Schauspiel zu Hause, ist er insbesondere bei Musical- und Operettenproduktionen mit Sprechrollen, gelegentlich allerdings auch mit gesanglichen Ausflügen eingebaut. Als Publikumsliebling hat er zwar ohnehin einen Applausbonus, versteht es aber auch, in diesem Stück in der Rolle des eifersüchtigen Ehemanns mit viel Komik und schauspielerischem Können Begeisterung zu wecken.

Wie so oft in den musikalischen Aufführungen ist der Opernchor des Theaters Magdeburg unter der Leitung von Martin Wagner eine tragende Säule. Die Chormitglieder singen, tanzen, spielen eigenständige Rollen und sind auch in „Eine Nacht in Venedig“ unverzichtbar. Sie prägen das Karnevalsgeschehen einerseits mit eindrucksvollen Chorpartien, um gleichzeitig mit ihren skurrilen Kostümen Freude und Lebendigkeit des venezianischen Karnevals zu vermitteln.

„Eine Nacht in Venedig“ ist eine Ausstattungsoperette. Und da wurde weder an Ideen noch an Aufwand gespart. Die Kostüme von Kristopher Kempf sind ein Feuerwerk für alle Sinne, deren Details man in dem Geschehen kaum alle wahrnehmen kann. Das trifft auch für Anja Lichteneggers Bühne zu, die insbesondere im zweiten Teil des Stücks in ihrer Wandelbarkeit und ihrem optischen Eindruck besondere Anerkennung verdient.

Wer immer sich einen entspannten Operettenabend mit wunderschöner Musik, traumhaften Kostümen fernab von rauer Wirklichkeit und Experimenten wünscht, der ist in dieser Inszenierung genau richtig.

Weitere Vorstellungen: 1. und 18. März, 22. April, 6. und 20. Mai sowie 1. Juni im Opernhaus Magdeburg.