Berlin l Das legendäre „Räuberrad“ ist zurück an seinem angestammten Ort vor der Berliner Volksbühne. Das Wahrzeichen des Theaters wurde 1994 vom Schweizer Bildhauer Rainer Haußmann nach Plänen des in Magdeburg geborenen Bühnenbauers Bert Neumann (1960–2015) gebaut.

Nach einem langwierigen Streit und dem Ende seiner Volksbühnen-Intendanz hatte Frank Castorf das Rad im Sommer 2017 auf ein Gastspiel zum Theaterfestival in Avignon mitgenommen. Im Anschluss war es mehr als ein halbes Jahr restauriert worden. Die Optik wurde beibehalten, lediglich bei der Statik und den Füßen wurde nach Angaben der Senatskulturverwaltung nachgebessert. Gesamtkosten: 25.000 Euro.

Die vier Meter hohe Metall-skulptur war in der Castorf-Ära zum Volksbühnen-Logo avanciert und bald allgegenwärtig. Programmhefte, Streichholzschachteln und Eintrittskarten: Überall prangte das stilisierte Rad, das an die sogenannten Gaunerzinken erinnern sollte, mit denen sich Räuber untereinander in einer gezeichneten Geheimsprache verständigten. Über Jahrzehnte stand das Rad für das Rebellische und Aufrührerische des Theaters.

Ausgedacht hatte sich die Skulptur der Volksbühnen-Bühnenbildner Bert Neumann, der auch für den trotzigen „Ost“-Schriftzug auf dem Dach der Volksbühne verantwortlich zeichnete.

Seit 1988 arbeitete der in Magdeburg geborene und in Ostberlin aufgewachsene Neumann an der Seite Frank Castorfs. Als dieser 1992 die Intendanz übernahm, wurde Neumann Chef-Ausstatter des Theaters. Visionär und unangepasst, wurde er mit seinen Arbeiten stilbildend für das experimentier- und spielfreudige Theater unter Castorf. Bis zu Neumanns Tod 2015 arbeiteten die beiden zusammen. 2017 musste Castorf gehen. Dessen umstrittener Nachfolger Chris Dercon hielt es nicht lange aus. Der Belgier gab den Intendantenposten im April nach weniger als einem Jahr wieder auf. Derzeit wird die Volksbühne von Klaus Dörr als Interimschef geleitet.