Der Theaterpreis des Bundes

Der Preis wird zum zweiten Mal verliehen. 2016 gehörten das Theater Stendal und das Anhaltische Theater Dessau zu den zwölf Preisträgern.

In diesem Jahr werden acht mit bis zu 150  000 Euro dotierte Preise vergeben.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters würdigt mit dem Preis herausragende Leistungen kleiner und mittlerer Theater, um ihre Kulturarbeit zu fördern. Grundlage der Bewertung ist deren Programm in der Spielzeit 2016/17.

Preisträger 2017 sind: Theater & Philharmonie Thüringen, Gera/Altenburg; Theater Naumburg; E.T.A. Hoffmann Theater, Bamberg; TJG. Theater Junge Generation, Dresden; Lichthof Theater, Hamburg; Tanzhaus NRW, Düsseldorf; Sophiensäle, Berlin; Schaubude Berlin.

Naumburg/Stendal l In Naumburg lebt Geschichte. Die Stadt an der Saale zieht Besuchermassen vor allem in seinen spätromanisch-frühgotischen Dom mit der Uta als Stifterfigur. Auch das Nietzsche-Haus ist bekannt. Friedrich Nietzsche, der große Philosoph, verbrachte den Großteil seiner Kindheit und Jugend in Naumburg. Dass die Stadt auch ein Theater hat, ist überregional weniger bekannt.

Auszeichnung in Stendal

Am Donnerstag genießt das Haus aber die volle Aufmerksamkeit der Theaterwelt. Denn das Ensemble um Intendant Stefan Neugebauer wird von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) im Theater der Altmark Stendal, das im Vorjahr zu den Preisträgern gehörte, mit dem Bundestheaterpreis geehrt.

250 Vorstellungen, 80 Plätze

Neugebauers Haus gilt als kleinstes Stadttheater Deutschlands. Gern vergleicht der Intendant sein Ensemble mit einer Fußballmannschaft: Elf Leute gehören zum Team, vier Schauspieler als Stürmer, drei Techniker, die ihnen den Rücken freihalten, ein Mittelfeld mit Theaterpädagogik, Dramaturgie und Scheiderin und im Tor die Disponentin. Auswechselspieler sind Fehlanzeige. Dafür stoßen immer wieder Gäste zum Team, damit personalintensivere Stücke überhaupt auf die Bühne gebracht werden können.

Die Stadt als Bühne

Es ist aber nicht nur die sehr überschaubare Anzahl an Mitarbeitern, die dem Haus den Superlativ verleiht. Das Theater, das in der jetzt zu Ende gehenden Spielzeit immerhin 250 Vorstellungen stemmte, hat nur 80 Plätze, alles ähnelt eher einer Studiobühne. Und weil das Haus so sehr überschaubar ist, hat sich der Intendant mit seinem Amtsantritt vor zwei Jahren entschieden, stärker die Stadt zu bespielen. Neugebauer ging bereits mit seiner Erstinszenierung in eine Kirche. Nicht nur, weil die Studiobühne für Goethes „Faust“ einfach zu klein gewesen wäre. „Ich will nicht, dass wir nur eine Ecke der Stadt sind. Ich will, dass unser Haus präsenter ist“, sagte er.

Theaterspaziergänge

Für diese Präsenz gibt es Formate wie den Theaterspaziergang, bei dem Schauspieler und Gäste von Ort zu Ort unterwegs sind und die Szenen erleben. „Man schaut auf uns. Wir haben dadurch eine größere Aufmerksamkeit“, sagt Neugebauer, der es als Herausforderung sieht, Orte zu erobern, die für Theater eigentlich nicht gedacht sind. „Unser Publikum mag das auch“, sagt er. Mehr als 15  200 Zuschauer zählt das Theater in der noch nicht beendeten Spielzeit.

Die Jury für den Theaterpreis findet gerade diese Entwicklung bemerkenswert und lobt in der Begründung, dass das Haus in die kleine, aber geschichtssatte Stadt ausziehe, Kirchen, Museen, Gerichtssäle und das Publikum erobere.Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) sagte im Vorfeld: „Es wurden Bühnen ausgewählt, die auf ihre je eigene Art ,Welttheater‘ sind, die ungewöhnliche Kooperationen eingehen, mit Mut, Witz, aber auch Risiko spielen und so ihre Stadtgesellschaften mitprägen.“

Bundesweite Anerkennung

Neugebauer, der gebürtige Potsdamer, der 2000 das Clubtheater in Berlin gründete und sich heimisch fühlt in Naumburg, ist glücklich über den Preis. Nicht nur, weil damit 115  000 Euro für sein Haus verbunden sind. „Der Theaterpreis macht uns stolz“, sagt er. „Es ist ein tolles Gefühl, dass das, was wir hier machen, bundesweit Anerkennung findet.“ Er spricht auch von Lob für die Stadt, die sich für eine gute halbe Million ein Stadttheater leiste. Gefördert wird das Haus auch vom Burgenlandkreis und dem Land Sachsen-Anhalt.

Was hat der Intendant mit dem Preisgeld vor? Neugebauer gibt zu, darüber noch zu grübeln, denn die Spielzeit-Planung für 2017/18 ist schon abgeschlossen. Auf alle Fälle werde er es im künstlerischen Bereich einsetzen, manche Inszenierungen vielleicht größer denken. Und ihm schwebt ein Projekt mit den Städten Weißenfels und Zeitz vor. Vielleicht eine Bürgerbühne, die die drei Städte zusammen führen könnte, schwebt dem Intendanten vor.

Zuvor aber gibt es noch Sommertheater im Marientor von Naumburg.