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Leipziger Buchmesse mit großem Besucherandrang eröffnet / Buchpreis für den Autor Wolfgang Herrndorf Trotz aller Elektronik dominiert das gedruckte Wort

16.03.2012, 03:12

Tausende lesehungrige Besucher zog es schon am ersten Tag in die Hallen der Leipziger Buchmesse. Die Buchwelt erfindet sich neu, die Digitalisierung ist bei Lesern, Verlagen und Autoren angekommen.

Leipzig (dpa) l E-Books, digitale Inhalte, Urheberschutz - die Buchbranche sieht sich vor großen Herausforderungen. Zum Auftakt der Leipziger Buchmesse gestern bestimmten wichtige Zukunftsthemen viele Debatten und Gespräche an den Messeständen.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) mahnte bei einem Rundgang eine schnelle Regelung der Urheberrechtsreform an. "Der Schutz des geistigen Eigentums muss rechtlich abgesichert werden", sagte Neumann, der mit Autoren und Verlegern über das Thema sprach.

Doch bei allem technischen Wandel dominiert in den Messehallen das gedruckte Buch. Tausende Besucher drängten sich schon am ersten Messetag an den Verlagsständen, umringten die Autoren bei ihren Lesungen. Bis zum Sonntag werden auf Deutschlands zweitgrößter Buchmesse rund 160000 Besucher erwartet.

Auf dem Leipziger Messegelände präsentieren sich 2071 Verlage aus 44 Ländern. Autoren wie Ruth Hoffmann, Carolin Emcke, Marion Brasch und Erich Loest stellten ihre Bücher vor, nur einer wollte nicht diskutieren: Christian Kracht sagte nach dem Wirbel um sein Buch "Imperium" ein geplantes Gespräch ab und gab lediglich eine Signierstunde. "Imperium" hatte eine hitzige Debatte ausgelöst, nachdem der "Spiegel" Kracht ein rassistisches Weltbild vorgeworfen hatte.

E-Books und Apps gaben schon einen Vorgeschmack auf das neue digitale Lese-Zeitalter. Besonders das Thema Urheberrecht wurde deshalb heiß diskutiert.

Gottfried Honnefelder, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, sprach von einem Kulturkampf, in dem das digitale Medium selbst zur kulturellen Herausforderung werde. "Heißt Freiheit im Netz kostenlos im Netz?", fragte Honnefelder bei der Eröffnungsfeier der Buchmesse am Mittwochabend.

Dort wurden die beiden Historiker Ian Kershaw und Timothy Snyder mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet.

Der erstmals ausgelobte Thüringer Krimipreis ist gestern auf der Leipziger Buchmesse an die Autorin Astrid Seehaus übergeben worden. Seehaus hatte sich gegen mehr als 40 Mitbewerber durchgesetzt und mit ihrem Roman "Tod im Eichsfeld" die Jury überzeugt. Der Preis wurde gemeinsam vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels, dem Thüringer Literaturrat, der Zeitungsgruppe Thüringen und dem Sutton Verlag ins Leben gerufen.

Die 1961 geborene Seehaus schreibt seit mehr als zehn Jahren Kinder- und Jugendbücher. "Tod im Eichsfeld" ist ihr erster Krimi. Die Autorin lebt mit ihrer Familie selbst im Thüringer Eichsfeld.

"Einzigartige Leichtigkeit einer Alptraumszenerie"

Der schwer krebskranke Berliner Autor Wolfgang Herrndorf ist mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet worden.

Der 1965 in Hamburg geborene Schriftsteller erhielt die Ehrung gestern für seinen Roman "Sand". Der Preis ist mit 15000 Euro dotiert. Herrndorf nahm wegen seiner Krankheit an der Preisverleihung nicht teil.

"Sand" ist ein Thriller, ein Spiel um Gewalt, Verfolgung, Selbstsuche und Tod. In der Begründung der Jury hieß es: "Was diesen Roman so einzigartig macht, ist, mit welcher Leichtigkeit, welcher Eleganz im Ton und welchem Sinn für Komik Wolfgang Herrndorf diese absolute Alptraumszenerie erzählt."

Den ebenfalls mit 15000 Euro dotierten Preis in der Sparte Sachbuch und Essayistik erhielt Jörg Baberowski für sein Buch "Verbrannte Erde. Stalins Herrschaft der Gewalt".

Der Übersetzerpreis wurde gestern Christina Viragh zugesprochen für die Übertragung von Peter Nádas\' "Parallelgeschichten".Seite 5