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Lauter Lügen: „Das Kindermädchen - Mission Italien“

Henni Höffner ist eine gestandene Frau, die es daheim nicht aushält. Dort droht ihr auch ständig Ärger mit dem Arbeitsamt. Dieses Mal landet sie in Italien.

Von Klaus Braeuer, dpa
Weltenbummler-Nanny Henni (Saskia Vester) bricht zu einer Familie nach Apulien auf.
Weltenbummler-Nanny Henni (Saskia Vester) bricht zu einer Familie nach Apulien auf. Raymond Roemke/ARD Degeto/dpa

Berlin - Nach Einsätzen in Mauritius, Südafrika und Kanada geht es diese Mal nicht ganz so weit für Henni Höffner (Saskia Vester). Mit dem Fernbus reist das Kindermädchen von München nach Süditalien, Endstation Otranto in Apulien.

Dort betreiben die Eheleute Rosa (Clelia Sarto) und Benno (Janek Rieke) eine geerbte und geradezu malerisch gelegene Olivenplantage samt hübschem Wohnhaus.

Warum Henni deren zwei Teenager eigentlich betreuen soll, wird zunächst niemandem klar - dafür findet sie hingegen bald andere Dinge heraus. Die Familie ist nämlich fast pleite, die Oliven sind von rätselhaften Bakterien befallen, Rosa scheint nicht etwa schwanger, sondern ernsthaft krank - und Benno einer anderen schönen Frau zugetan zu sein. Viel zu sortieren also in der vierten Folge der Reihe „Das Kindermädchen“. Die neue Episode „Mission Italien“ - ist diesem Freitag um 20.15 Uhr im Ersten zu sehen.

Der Film von Regisseur Sascha Bigler (52, „Die Muse des Mörders“, „München Mord“) ist von einiger Harmlosigkeit und tut niemandem weh. Italienisch wird hier allenfalls auf dem Markt gesprochen, die Hauptfiguren wirken allesamt ziemlich deutsch.

Schauspielerisch ragt lediglich Clelia Sarto (47, „Doktor Ballouz“) heraus. Sie spielt die zunehmend verzweifelte Frau und Mutter sehr empathisch; auch wenn sie sich etwas zu lange und zu krampfhaft damit abmüht, ihrer Familie endlich die Wahrheit zu sagen.

Saskia Vester (61, „Marie fängt Feuer“) scheint sich inzwischen in ihre Rolle eingefunden zu haben. Anfangs agierte sie noch etwas hölzern, doch jetzt gibt sie eine rundum patente und sympathische Frau, die mitten im Leben steht, sich nichts vormachen lässt und insbesondere Lügen sehr schnell durchschaut. So tritt sie hier mehr als Ratgeberin, Köchin und Haushälterin denn als Kindermädchen in Erscheinung - und mischt sich gern und oft in Dinge ein, die sie nun überhaupt nichts angehen. Dabei überschreitet sie die Grenze zur Privatsphäre gleich mehrfach.

Der Film hat durchaus alltagsnahe Elemente, etwa die gesundheitlichen und finanziellen Probleme der Hauptfiguren, ist aber insgesamt doch ziemlich märchenhaft geraten. Die unrealistische Rahmenhandlung mit dem Arbeitsamt, dessen Sachbearbeiter Loibinger (statt Jürgen Tonkel spielt ihn jetzt Gerhard Wittmann) Henni ständig und saftig an der Nase herumführt, ist absolut albern und sollte ersatzlos gestrichen werden.