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„Polizeiruf 110“ über verzweifelte Machos

Wer eine Sache tut, löst damit etwas anderes aus, denn alles hängt mit allem zusammen, zumindest im neuen Sonntagskrimi aus München. Er handelt von Skrupellosigkeit, Gier und menschlichen Abgründen.

Von Cordula Dieckmann, dpa
Bessie (Verena Altenberger) sucht nach einer verschwundenen Katze.
Bessie (Verena Altenberger) sucht nach einer verschwundenen Katze. Hendrik Heiden/BR/Geißendörfer Pictures/dpa

München - Im neuen Münchner „Polizeiruf 110“ geht es um Gier und Geltungssucht. Ein Ehepaar hat es auf das Haus der alten Frau Schrödinger abgesehen - in München ein Millionenwert.

Mit einer gefälschten Schenkungsurkunde wollen sie die Immobilie an sich reißen und auf den baldigen Tod der herzkranken Frau hoffen. Alles ist so schön geplant. Doch dann verschwindet eines Tages die heiß geliebte Katze der alten Dame. Die Folgen sind dramatisch, erst recht, weil es eine Tote gibt. Ein verzwickter Fall, der der Polizeioberkommissarin Bessie Eyckhoff keine Ruhe lässt.

Das Erste zeigt „Frau Schrödingers Katze“ an diesem Sonntag um 20.15 Uhr. Es ist der letzte frische Sonntagabendkrimi vor dem Anbruch der Sommerpause.

Drehbuchautor Clemens Maria Schönborn und Regisseur Oliver Haffner haben einen spannenden Krimi geschaffen, gradlinig erzählt, aber auch mit überraschenden Wendungen. Er habe etwas darüber erzählen wollen, dass alte, hilflose Menschen immer häufiger Opfer von Betrügern werden, erklärt Schönborn die Idee für seine Geschichte.

Und natürlich geht es auch um physikalische Fragestellungen - in Anlehnung an das unter Wissenschaftlern beliebte Gedankenexperiment mit Schrödingers Katze, bei dem es um einen Zwischenzustand geht, eine Überlagerung, in der das Tier gleichzeitig tot und lebendig ist. Die Macher des Krimis gehen der Frage nach, inwieweit Menschen für ihre Handlungen verantwortlich sind. Schließlich könne sich eine gute Absicht auch in ihr Gegenteil verkehren. Und es geht um die Erkenntnis, dass alles mit allem verbunden ist.

Doch keine Angst: Wer den Krimi genießen will, muss kein Physiker sein. Die Geschichte ist auch so interessant - und verständlich. Haffner inszeniert spannend, lebensnah und sehr menschlich. Dazu tragen auch die wunderbaren Darsteller bei, allen voran die Volksschauspielerin Ilse Neubauer („Die Hausmeisterin“) als Frau Schrödinger. Mit anrührender Zerbrechlichkeit spielt sie die alte Dame, die von allen Menschen nur das Gute erwartet und deshalb so leicht zum Opfer werden kann. Auch Verena Altenberger ist in der Rolle der Bessie Eyckhoff sehenswert und spielt mit großem Einfühlungsvermögen.

Ein besonderes Kapitel sind die Männer. Bessies Chef Breitner (Heinz-Josef Braun, „Hindafing“) blickt eher geringschätzig auf ihren Ermittlungseifer. Und ihr Kollege Dennis (Stephan Zinner, „Leberkäsjunkie“) ist fest davon überzeugt, alles zu wissen und zu können. Von den polizeilichen Fähigkeiten seiner Kollegin hält er gar nichts - weil sie eine Frau ist. Und weil er insgeheim fürchtet, sie könnte vielleicht doch besser sein als er. Und so mischt sich in seine Machosprüche auch eine leise Verzweiflung. Zurecht, denn am Ende hat Bessie eine große Überraschung parat.