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Das Sinfonische Musikorchester Sachsen-Anhalt feiert Geburtstag / Interview mit Peter Wegener Über das Musizieren zur Gemeinsamkeit

10.02.2012, 04:21

Vor 15 Jahren wurde das Sinfonische Musikorchester Sachsen-Anhalt gegründet, in dem Musikschüler aus den Musikschulen des Landes im Alter von 12 bis 24 Jahren musizieren. Für die Volksstimme sprach Renate Bojanowski mit dem Leiter Peter Wegener.

Volksstimme: Wie kam es zu der Gründung des Orchesters?

Peter Wegener: Im Herbst 1996 kam der damalige Direktor der Musikschule Wernigerode von einer Tagung des Landesverbandes der Musikschulen zurück und fragte mich, ob ich mir die Leitung eines solchen Orchesters vorstellen könnte. Natürlich war ich von der Idee begeistert, gibt es doch genug Musikschüler, die keine oder eingeschränkte Möglichkeiten zum Orchesterspiel haben.

In einem solchen Klangkörper können sie nicht nur gemeinsam musizieren, sondern auch Erfahrungen austauschen und Freundschaften mit Gleichgesinnten schließen. Im Februar 1997 startete das Orchester in die erste Arbeitsphase.

Volksstimme: Welche Vorteile birgt dieses Orchester für die jungen Musiker in sich?

Wegener: Gemeinsames Musizieren entwickelt soziale Kompetenzen, stärkt das Gemeinschaftsgefühl und das Selbstbewusstsein. Leistung entwickelt sich hier auch, in dem die Kinder und Jugendlichen aufeinander eingehen, bereit sind, Schwächere mitzunehmen, zu fordern und zu fördern.

Volksstimme: Wie oft treffen sie sich im Jahr?

Wegener: Das Orchester trifft sich zu zwei einwöchigen Arbeitsphasen im Jahr und einer kürzeren, meistens zu den Musikschultagen.

Volksstimme: Wie lange proben Sie mit den Schülern und Schülerinnen?

Wegener: Wir proben siebeneinhalb Stunden über den Tag verteilt. Man bedenke, dass die Orchestermitglieder dies freiwillig tun.

Volksstimme: Welche Unterstützung erhalten Sie?

Wegener: Meine wichtigste Unterstützung sind die Tutoren für die einzelnen Instrumentengruppen. Von Beginn an habe ich Wert darauf gelegt, mit einer stabilen Besetzung zu arbeiten. Nur so wird eine kontinuierliche Arbeit garantiert. Tatsächlich sind zwei Tutoren von Beginn an dabei: Marc Jacko (Blechbläser) von der Kreismusikschule "Béla Bartók" des Salzlandkreises/Musik- und Kunstschule Stendal und Jerzy Bojanowski (Soloklarinettist der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie Schönebeck - verantwortlich für die Holzbläser).

Zum Tutorenstamm gehören außerdem Magdalena Engel (Violoncelli) und Roland Kähne (Holzbläser) vom Georg-Philipp-Telemann-Konservatorium Magdeburg. Ulrich Matura von der Latina Halle und Alexander Ramm aus Berlin betreuen die Violinen. Die Kinder und Jugendlichen bauen eine enge Beziehung zu den Tutoren auf. Mit der Betreuung leisten sie wichtige pädagogische Arbeit. Oft treten die Tutoren auch als Solisten auf und bereichern so das musikalische Programm. Die SchülerInnen sehen darin natürlich zusätzlichen Ansporn. Der Landesverband der Musikschulen ist nach Kräften bemüht, die Arbeit des Orchesters zu fördern und zu unterstützen.

Volksstimme: Welche Höhepunkte gab es bisher im Orchesterleben?

Wegener: Wir haben bereits ein Jahr nach unserer Gründung am V. Europäischen Musikwettbewerb in Barcelona teilgenommen. Von 2001 bis 2004 probten und konzertierten wir gemeinsam mit polnischen Musikschülern. Zu unserem zehnjährigen Bestehen nahm das Orchester am VIII. Europäischen Musikfestival in Malmö und Kopenhagen teil.

Volksstimme: Welche Erfolge kann das Orchester für sich verbuchen?

Wgener: Mehrere Generationen von MusikschülerInnen hatten durch ihre Mitwirkung in unserem Ensemble nachwirkende musikalische Erlebnisse und Erfolge, wurden Mitglieder im Jugendsinfonieorchester Sachsen-Anhalt oder studierten gar Musik.

Volksstimme: Wer stellt das Programm zusammen?

Wegener: Die Stücke, die wir spielen, werden von mir ausgesucht, Vorschläge seitens der Tutoren baue ich gern mit ein. Das erste Stück, das alle spielen konnten, war das Prélude des "Te Deum" in D-Dur von Marc-Antoine Charpentier, das zu unserer Erkennungsmusik geworden ist.

Volksstimme: Wie kann man Mitglied im Sinfonischen Musikschulorchester Sachsen-Anhalt werden?

Wegener: Wer sich neu anmelden möchte, meldet sich am besten in seiner Musikschule oder beim Landesverband der Musikschulen Sachsen-Anhalt e.V. im Gesellschaftshaus Magdeburg in der Schönebecker Straße 129 an.

Volksstimme: Morgen wird das Orchester ein Jubiläumskonzert in der Konzerthalle "Georg Philipp Telemann" bestreiten. Worauf dürfen sich die Besucher freuen?

Wegener: Wir spielen natürlich unsere Erkennungsmelodie, darüber hinaus werden beispielsweise Werke von Tschaikowski und verschiedene Filmmusiken zu hören sein, darunter die Musik aus "Herr der Ringe". Allerdings habe ich gehört, dass es nur noch Restkarten für dieses Konzert gibt.