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Premiere für das Musical "Sweeney Todd" im Magdeburger Opernhaus Viel Schwarzer Humor beim Blutrausch eines Barbiers

Von Rolf-Dietmar Schmidt 19.11.2012, 01:17

Das Theater Magdeburg kann auf eine ganze Reihe legendärer Musical-Inszenierungen verweisen. Sie zu übertreffen, schien kaum möglich. Doch mit der Premiere von "Sweeney Todd" am Sonnabendabend im Opernhaus ist es erneut gelungen.

Magdeburg l Das Thriller-Musical "Sweeney Todd" von Stephen Sondheim ist noch recht jung. 1979 kam es an den Broadway, es wurde später mit Johnny Depp verfilmt und hat seither überall Erfolge gefeiert. Der Inhalt ist eine sehr britische Mischung aus makabrem Geschehen, gewürzt mit schwarzem Humor und einem kräftigen Schuss Dramatik.

Benjamin Barker ist ein Barbier im spätmittelalterlichen London. Er hat eine schöne Frau und ein Baby. Der teuflische Richter Turpin begehrt die Frau des Barbiers, verbannt Barker unter falscher Anschuldigung nach Australien, zerstört die Familie und will schließlich die zu seinem Mündel erklärte Tochter von Barker auch noch heiraten.

Die Opfer werden durch den Fleischwolf gedreht

Barker kehrt als Sweeney Todd nach 15 Jahren zurück und nimmt grausame Rache. Erst tötet er zielgerichtet seine einstigen Peiniger, später jeden mit einem Rasiermesserschnitt, der auf seinem Stuhl Platz nimmt.

Die Leichen werden durch einen riesigen Fleischwolf gedreht und landen in den Pies seiner Wirtin, deren Geschäfte mit dem gefüllten Gebäck ungeahnten Aufschwung nehmen. Im Blutrausch bringt der Barbier schließlich die eigene, geliebte Frau um, die er als Bettlerin nicht erkannt hat. Die Sucht nach Rache hat sich gegen ihn selbst gerichtet.

So schwer die inhaltliche Kost erscheint, so leicht vermischt Regisseur Leonhard Prinsloo das gruselige Geschehen mit schwarzem Humor, ohne die innere Dramatik der Ereignisse auch nur einen Hauch zu verwässern. Der in Südafrika aufgewachsene und seit 1986 in Deutschland lebende Ausnahmekünstler hat dabei ein für ein Stadttheater außergewöhnliches Star-Aufgebot an seiner Seite.

Da ist der musikalische Leiter der Inszenierung David Levi. Der gebürtige New Yorker, der übrigens vor seiner musikalischen Karriere Psychologie studiert hat, zählt zu den begehrtesten Dirigenten in der Welt für Oper, Operette und Musical. Ein Blick in seinen Terminkalender zeigt, dass sein Gastspiel in Magdeburg zwischen Projekten in Paris, New York und Colombo liegt.

Das große Geschäft mit dem Menschenfleisch

Stars unter den Gesangsprotagonisten des Stückes sind natürlich der Amerikaner Kevin Tarte als teuflischer Barbier Sweeney Todd und die Australierin Gaye MacFarlane als grandios ambivalent agierende Mrs. Lovett, die zwischen Liebe und Lüge das große Geschäft mit dem Menschenfleisch organisiert.

Die besondere Herausforderung einer solchen Inszenierung besteht darin, diese Musical-Spezialisten mit den festen Ensemblemitgliedern des Theaters Magdeburg aus dem Opernfach so nahtlos zu verbinden, dass ein Kunsterlebnis aus einem Guss entsteht. Aber diese Herausforderung haben durchweg alle Sänger, insbesondere auch der Chor unter der Leitung von Martin Wagner, mit Bravour bewältigt.

Herausragend präsentierten sich wieder einmal unübersehbar Martin-Jan Nijhof als Richter Turpin, Kartal Karagedik als der junge Matrose Anthony Hope, Lucia Cervoni als Bettlerin und als Gast Michael Ernst, der den Tobias Ragg sprach und sang.

Das richtige Gefühl für das London der dunklen Jahre bewies der Brite Duncan Hayler mit einer Bühnenausstattung, die in ihrer Vielfalt höchste Anforderungen an die Bühnentechnik stellte. Das galt ebenso für die Kostüme. In einem Musical von diesem Format sind sie tragende Säulen des Erfolges.

Einziger Kritikpunkt: "Sweeney Todd" wird insgesamt nur neun Mal gespielt, weshalb man sich rechtzeitig um Karten kümmern sollte.