Der Schauspieler Michael Degen feiert morgen seinen 80. Geburtstag / Seit 60 Jahren auf der Bühne Von Brecht über Chabrol bis "Diese Drombuschs"
Berlin (dapd) l Mit einem solchen Vorgesetzten zu arbeiten kann anstrengend sein: Rechthaberisch, eitel und stur. So präsentiert sich der Schauspieler Michael Degen in einer seiner zahlreichen Fernsehrollen, dem Vize-Polizeichef in der Romanverfilmung von Donna Leons Commissario Brunetti. Doch das eigentliche Metier des Schauspielers ist das Theater. Seit mehr als 60 Jahren steht der gebürtige Chemnitzer auf deutschen Theaterbühnen. Morgen feiert Michael Degen seinen 80. Geburtstag.
Degen begann seine Karriere 1946 mit einer Ausbildung an der Schauspielschule des Deutschen Theaters in Ost-Berlin und erhielt dort auch sein erstes Engagement. Mit gerade mal 17 Jahren zog es ihn nach Israel, wo er Hebräisch lernte und an den Kammerspielen in Tel Aviv in dieser Sprache Theater spielte. Er trug sich damals mit dem Gedanken, Deutschland für immer den Rücken zu kehren. Seine Mutter habe dies damals jedoch abgelehnt, sagte Degen Jahrzehnte später in einem Interview.
Grund für seine Überlegungen aus Deutschland auszuwandern waren unter anderem traumatische Kindheitserinnerungen, die das Leben des Schauspielers prägten. So wurde Degens Vater 1939 ins KZ Sachsenhausen deportiert und starb ein Jahr später nach seiner Entlassung. 1942 drohte auch dem damals zehnjährigen Michael und seiner Mutter Anna die Deportation ins KZ Auschwitz. Ihnen gelang jedoch die Flucht. Bis 1945 überlebten sie in einer Ost-Berliner Laubenkolonie dank der Hilfe couragierter Bekannter und Freunde, die sie versteckten und ihnen zu essen gaben.
Die Erlebnisse hat der Schauspieler und Schriftsteller Jahrzehnte später in seiner Autobiografie "Nicht alle waren Mörder - Eine Kindheit in Berlin" aufgeschrieben. 2006 wurde das Buch verfilmt. Es sei "sehr emotional" gewesen, die Jahre der Kindheit und der Verfolgung im Film zu sehen, sagte Degen kurz vor der Ausstrahlung des Films.
Nach seiner Zeit in Israel kam Degen in den fünfziger Jahren zurück auf die Theaterbühnen nach Deutschland. Er spielte im Berliner Ensemble von Bertolt Brecht. In den Folgejahren bekam er Engagements in Köln, Hamburg, Frankfurt am Main, Berlin, München, Wien und Salzburg, spielte unter anderem in Filmen von Claude Chabrol.
Große Bekanntheit erlangte er beim Fernsehpublikum 1978 als Darsteller in Franz Peter Wirths Verfilmung des Thomas-Mann-Romans "Die Buddenbrooks". Weitere Erfolge feierte Degen in der ZDF-Serie "Diese Drombuschs".