Tanzgala im Opernhaus Magdeburg Von Michigan nach Magdeburg
Magdeburg. Alljährlich seit 1966 verbringen Kinder und Jugendliche ihre Sommerferien in Twin Lake Michigan (USA), um an der Sommerschule der schönen Künste – Blue Lake Fine Arts Camp – zu lernen und zu studieren. Neben Fotografie und Theater, Chorgesang und Musik, Oper und Komposition lernen dort regelmäßig auch Ballettschüler. 25 von ihnen sind jetzt auf Europatournee und als Gäste der Theaterballettschule zu Besuch in Magdeburg.
Am Montag gab es eine große Ballettgala, auf der sich Tänzer des Blue Lake International Balle Ensembles mit Tänzerinnen und Tänzern der Magdeburger Schule in einem gemeinsamen Programm präsentierten.
Ein interessiertes Publikum fand sich ein, um die Tanzkünste der Eleven aus Michigan und Magdeburg zu sehen. Irene Schneider, Leiterin der Magdeburger Theaterballettschule, sowie Jamie Brege und Cory Goei, Ballett-Direktoren der Blue Lake Sommerschule, hatten ein außerordentlich großes Programm vorbereitet, in dem immer abwechselnd Tänzer aus Michigan und Magdeburg ihre Choreografien zeigten.
In den ersten 90 Minuten dominierte der klassische Tanz. Die amerikanischen Gäste machten den Auftakt mit "Color Splash" einem mehrteiligen Farbenspiel nach verschiedenen Ausschnitten von Kompositionen Mendelssohn Bartholdys. Dabei stellten sich alle Tänzerinnen und Tänzer vor, die in verschiedenen Farben gekleidet auch verschiedene Charaktere darstellten und jeweils kleine Geschichten zur Musik tänzerisch darstellten. Eine sehr fantasiereiche Choreografie von Jamie Brege. Nach Dulce Potas "Cancao do Mar" hat Anett Münch für die Magdeburger Tanzschüler eine eindrucksvolle Choreografie geschaffen, in der die Bewegung des Meeres auf der Bühne sichtbar wurde.
Nach den Einleitungstänzen haben beide Gruppen verschiedene Ausschnitte aus Tschaikowskis "Schwanensee" gezeigt, und es wurde deutlich, dass dieses Ballett jenseits des Atlantiks genauso viel Begeisterung hervorruft wie in Europa, und dass die choreografischen Ideen auch nicht so sehr weit auseinanderliegen. Das Magdeburger Divertissement aus dem 3. Akt war gerade vor einer Woche in der Präsentation der Theaterballettschule zu sehen gewesen und bejubelt worden, wie die meisten anderen Magdeburger Choreografien auch. Schön aber, dass die Gäste ihre Tänze, ebenfalls Ausschnitte aus dem 3. Akt als Solotänze sowie den großen Walzer aus dem 1. Akt, auch zeigen konnten. So könnte man sich fast einen gesamten gemeinsamen "Schwanensee" vorstellen.
Aber der Zusammenklang wurde im Folgenden nicht fortgesetzt. Die Auftritte der Magdeburger dominierten das Programm mit ihren ausgedehnten und den meisten Gästen bereits bekannten Choreografien. Einige Striche hätten dem Abend gut getan, der mit über drei Stunden doch sehr lang war. Dann hätte es vielleicht auch mehr Aufmerksamkeit für das Neue aus Übersee bei den Zuschauern gegeben, die den Bekannten aus Magdeburg sehr lautstarken, mitunter unpassenden Beifall – Mitklatschen im tragischen 3. Akt von Schwanensee – spendeten, den Gästen aber nur mäßigen Beifall gaben.
Die aber hatten für die geringeren Möglichkeiten mit 25 Schülern erstaunliche Vielfalt und wie auch die Magdeburger großes Können zu bieten, etwa in dem aufregenden Lulu-Solotanz von Jamie Brege oder dem schwungvollen Finale, das den Tänzern Möglichkeit zu fast artistischer Ausgelassenheit gab.