Zweite Erzähltheatertage beginnen heute auf dem Hof des Magdeburger Puppentheaters Wenn der Funke überspringt
Magdeburg l Bis zum 12. Oktober finden in Magdeburg wieder die Erzähltheatertage statt. Diesmal steht die Erzähl-Jurte auf dem Hof des Puppentheaters.
Mongolische Nomaden ziehen immer weiter. Mit ihnen auch ihr Zelt, die Jurte. Auch das Erzähltheater hat eine solche Jurte. Genauso wie in der Nomadentradition wandert auch die Jurte des Erzähltheaters in Magdeburg immer weiter. Im vergangenen Jahr, zur Premiere, war sie im Volksbad in Magdeburg. In diesem Jahr ist sie auf dem Hof des Puppentheaters angekommen. Dort beginnen heute die Erzähltheatertage. Erzählerin ist die Magdeburgerin Marianne Fritz.
Sie gestaltet zu drei Schwerpunkten die Abende in der Jurte: Märchen, Mythen, Magdeburg. Alle Geschichten ranken sich dabei um ein Thema - das Feuer. "Es bringt Neues und Schönes hervor, aber kann auch zerstören. Das erzähle ich auch in den Geschichten", sagt die Organisatorin.
Märchen
Im Mittelpunkt der Märchenabende stehen Essen und Hunger. Davon berichtet das spanische Märchen "Die Brotsuppe". Doch das ist nur eines, es werden viele Märchen zu Gehör kommen. "Aus der Mongolei und dem Elsass zum Beispiel. Auch ein kleines von den Gebrüdern Grimm ist dabei", sagt die Magdeburger Künstlerin. Vornehmlich recht unbekannte Märchen hat die Erzählerin ausgewählt. Aus ihrer eigenen großen Sammlung. "So können die Zuhörer für sie neue Märchen aus aller Welt entdecken", sagt sie. Aber nicht nur erzählt wird an den Märchenabenden, auch Musik soll es geben. Die Märchenabende begleitet die Klarinettistin Sandra Steingrimsdottir-Busk.
Mythen
Die Abende zu den Mythen drehen sich ganz um Prometheus. Erzählerin Marianne Fritz hat sich Gedanken zu dem Feuerbringer in der antiken Mythologie gemacht. Sie verspricht, "ein Scherbengericht frei nach Platon, Aischylos und Lukian" vorzutragen. "Man wird sehr gut erkennen, wie aktuell die Geschichte Prometheus\' heute noch ist", sagt die Magdeburgerin. Tim Sandweg wird mit verschiedenen "Soundimprovisationen" die Erzählung untermalen.
Magdeburg
Von den Märchen und den Mythen wechselt Marianne Fritz an den letzten Abenden der zweiten Erzähltheatertage zur Wirklichkeit. Unter dem Titel "Der Himmel brennt" wird sie mit Uta Schulz vom Theater ohne Namen in Berlin Magdeburger Geschichten erzählen. "Ich sammel schon seit Jahren Geschichten von Menschen dieser Stadt. Oft wurde Magdeburg zerstört und ausgebrannt, aber immer wieder mit dem Mut der Bewohner wieder aufgebaut", sagt Marianne Fritz. Zentrales Thema ist der Zweite Weltkrieg. Fritz hat mit Magdeburger Zeitzeugen gesprochen und erzählt in der Jurte deren Geschichte, vom Krieg und vom Wiederaufbau.
Schule in der Jurte
Neben den drei Themenabenden gibt es in diesem Jahr ein Extraprogramm für Schulklassen. Marianne Fritz erzählt Schülern und Schülerinnen Märchen aus unterschiedlichen Kulturen. Darunter auch das mongolische Märchen "Poch, poch". "Es ist das ,Tischlein-deck-dich\' der Mongolei", erklärt die Magdeburgerin. Auch die anderen Märchen könnten den Kindern und Jugendlichen bekannt vorkommen. "Viele Märchen weisen ähnliche Motive auf", erklärt die Erzählerin.
Die Organisatorin hofft auch in diesem Jahr auf eine große Resonanz der Erzähltheatertage. Für alle, die im vergangenen Jahr nicht beim Erzähltheater waren, hat Marianne Fritz noch einen ganz praktischen Tipp: "Es ist gut, wenn Sie eine dicke Jacke anziehen, denn es wird trotz Kamin doch etwas kalt."