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Festival Wilder Osten in Magdeburg

Magdeburgs Schauspieldirektorin Cornelia Crombholz widmet der Ukraine ein Theaterfestival. „Wilder Osten“ findet vom 19. bis 22. Mai statt.

Von Grit Warnat 09.04.2016, 01:01

Magdeburg l Cornelia Crombholz erzählt mit viel Wärme von der Ukraine. Sie bereise seit 15 Jahren das Land, kenne dort viele Leute, habe viele Begegnungen gehabt und auch teilgenommen an der jüngsten politischen Entwicklung. Sie spricht von der Orangenen Revolution, dem Euromaidan und dem Krieg in der Ostukraine. „Es ist ein interessantes Land, ein Land, das um seine Identität kämpft“, sagt sie.

Mittendrin in diesem Identitätskampf ist eine junge Generation von Theaterautoren, Schriftstellern, Regisseuren, die versucht, sich einen Weg zu bahnen. Von ihnen brachte Crombholz mehr als zwei Dutzend Stücke mit nach Deutschland, sichtete, ließ Teile der Texte übersetzen. Drei Stücke werden jetzt am Schauspielhaus Magdeburg produziert – unter der Ägide ukrainischer Regisseure. Maksym Golenko, Stas Zhyrkov und Oleksandra Sentschuk werden mit den Schauspielern des Theaters eine Uraufführung und zwei deutschsprachige Erstaufführungen für das Festival erarbeiten.

„Wir müssen uns austauschen, wir müssen miteinander reden, die Fenster öffnen.Nur so können wir uns verstehen. Da können auch Haltungen aufeinanderprallen“, sagt Crombholz. Begriffe wie Herausforderung, Experiment, Pionierfahrt fallen.

Der Querschnitt an Themen ist groß. Crombholz gehe es um Wunden, die gerissen worden sind: Der Krieg in der Ostukraine, die große Hungersnot in den 1930er Jahren, die Atomkatastrophe in Tschernobyl.

Uraufgeführt wird „Die Frauen und der Scharfschütze“ von Tetjana Kyzenko. Das Stück erzählt von dem jungen Scharfschützen Ljoscha, der der ukrainischen Armee angehört und nicht mehr kämpfen will. Erstmals außerhalb der Ukraine und erstmals deutschsprachig zu sehen ist Pavlo Aries „Am Anfang und am Ende aller Zeiten“. Sein Stück handelt von einer Familie, die nach der Tschernobyl-Katastrophe in der Todeszone geblieben ist. Deutschsprachig erstaufgeführt wird in Magdeburg auch „Der Wij“. Die Dramatikerin Natalia Vorozhbyts hat die Handlung der phantastischen Erzählung von Nikolai Gogol in die Gegenwart versetzt.

Neben den Theaterstücken wird es szenische Lesungen, Vorträge, Podiumsdiskussionen, Gastspiele und Konzerte geben. Crombholz freut sich besonders auf Dakh Daughters, die mit ihrem Auftritt auf den Barrikaden des Euromaidan Ende 2013 bekannt wurden und seitdem durch die Welt touren. Die siebenköpfige Frauentruppe, die sich selbst Freak-Kabarett nennen, reist von den Wiener Festwochen nach Magdeburg. Crombholz hat die Schauspielerinnen in Kiew kennengelernt. „Es ist ein Knüller, dass wir sie in Magdeburg haben“, freut sich die Schauspielchefin.

Ein Gastspiel gibt auch das Dokumentartheater Berlin, das zwei Produktionen zeigen wird, darunter „Holodomor“. Es ist das ukrainische Wort für Hungerkatastrophe. Diktator Stalin hatte sie und das Massensterben Anfang der 1930er Jahre zu verantworten.

Cornelia Crombholz blättert im Flyer. Auf dem Titel abgebildet ist die ukrainische Flagge am Mauerwerk. Das Blau verläuft und erinnert an einen weinenden Himmel. Es ist das Logo des Festivals.