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Kunst des 20. Und 21. Jahrhunderts im Kreismuseum Schönebeck Zeitgenössisch Auserlesenes

12.07.2011, 04:34

Ein Kreismuseum hat viele Aufgaben. Die Darstellung historischer Prozesse, gern heimatbezogen, ist eine der wichtigsten Verpflichtungen, aber auch die Kunst soll hin und wieder zu Wort kommen. So entschloss sich das Museum gar nicht in die Ferne zu schweifen, sondern die nur wenige Kilometer entfernt beheimatete Kollektion des Sammlers Frithjof Meussling aus Gnadau für eine exzellente Ausstellung zu nutzen.

Von Jörg-Heiko Bruns

Schönebeck. Frithjof Meussling ist Sammler aus Leidenschaft. Seit nunmehr 50 Jahren sammelt er zeitgenössische Kunst. Angeregt hat ihn auch die Schönebecker Künstlerin Katharina Heise. Deren Werke und die ihrer Schwester Annemarie Heise gehören wie selbstverständlich zur Sammlung Meussling und auch zu den Beständen des Kreismuseums Schönebeck.

Meussling hat von Anbeginn keinen Unterschied zwischen Ost und West gemacht, er wollte deutsche Kunst sammeln und da gehörten beide Seiten dazu. Mit den damals schon wieder alten Meistern, die in den 1920er Jahren ihre ersten Höhepunkte im Schaffen hatten, wie Erich Heckel, Otto Dix, Oskar Kokoschka, Karl Schmidt-Rottluff nahm er Verbindung auf und hütet den daraus resultierenden Briefverkehr als autographischen Schatz.

Später kamen Karl-Otto Götz, Emil Schumacher, Max Kaus hinzu und die Sammlung erweiterte sich auch um Blätter von Ernst Barlach und Max Pechstein, Fritz Winter, Willi Baumeister und Georg Meistermann und Werke vieler anderer in der alten Bundesrepublik ansässiger Künstler.

Eine größere Auswahl von fast 30 Arbeiten ist dem wichtigsten deutschen Surrealisten Mac Zimmermann gewidmet, mit dem der Sammler über viele Jahre in Verbindung stand. Auch HAP Grieshabers Kunst wird herausgestellt. Der berühmte und engagierte Holzschneider von der schwäbischen Achalm war seit Mitte der 1960er Jahre häufiger Gast der Kunstfreunde in Magdeburg und ließ dort auch verschiedentlich drucken.

Natürlich war es in der Zeit des kalten Krieges vergleichsweise einfacher, Werke von Künstlern der DDR zusammenzutragen als solche aus dem Westen Deutschlands. So finden sich auserlesene Arbeiten von Albert Ebert, Josef Hegenbarth und Hans Theo Richter in der Sammlung, Gerhard Altenbourg ist mit seinem Hauptwerk "Wund-Denkmale" vertreten, Robert Rehfeldt, Dieter Goltzsche und Gil Schlesinger fehlen nicht, auch Tübke, Sitte und Heisig sind zu finden, eine weitere Aufzählung wäre endlos.

Meussling hat sich, wie die Ausstellung in Schönebeck zeigt, nie festgelegt, sammelte mit Herz und Verstand, legte dem aber kein System zugrunde, mit Ausnahme dem der Freude an der Kunst. Magdeburg lag nahe, da lebten noch die Kugel-Künstler Bruno Beye und Wilhelm Höpfner, zu denen der Sammler seine Verbindungen aufbaute und die ihn zum Sammeln ermunterten.

Und als der Grafikkreis im Kulturbund, später Freundeskreis Bildende Kunst, begann, Graphik-Mappen zu edieren, war der Sammler aus Gnadau natürlich Abonnent und später auch gern gesehener Helfer bei den Aktionen des Freundeskreises.

Von dieser bewegten Sammlertätigkeit lebt die inhaltsreiche Ausstellung mit ihren an die 100 Beispielen, zu denen auch einige Autographen zählen. Sie kann trotzdem nur einen kleinen Einblick in die tausende Stücke zählende Sammlung geben. So ist aber auch wieder einmal Weltkunst in das Kreismuseum Schönebeck gekommen, das bis zum 20. August zu dieser Ausstellung in seine Räume einlädt.