Magdeburg l Allein die Idee, den Rahmen des Programms in die Bundestagskantine zu legen, lässt Raum, ordentlich abzulästern. Hier arbeiten Jette und Tina alias Heike Ronniger und Marion Bach, beobachten die Politiker im Streit ums Szegediner Gulasch („ein Krisenherd“), sehen Horst Seehofer, wie er „heulend von der Merkel kommt“ und sich mit Wackelpudding tröstet. Hausmeister Olli gibt stets seinen Senf dazu. Das ist der Mann am Piano Oliver Vogt.

Die beiden Kabarettistinnen, die eine groß gewachsen, die andere kleiner, agieren hervorragend miteinander. Sie werfen sich die Pointenbälle punktgenau zu, zeigen sich als umwerfende Komödiantinnen. Regisseur Michael Rümmler hat sie bestens eingestellt; das gut durchkomponierte Programm mit seinen vielseitigen Szenen und reichlich Musik unterhält das Publikum bestens.

Die klugen Texte der beiden Leipziger Autoren Frank Voigtmann und Robert Schmiedel sind bei den beiden Kabarettistinnen in bester Verwertung. Einen ersten Höhepunkt liefern sie als zwei Damen der High Society. Köstlich, wie die verwöhnten, vornehmen Schranzen die Lippen schürzen und den bösen Fiskus als Terrororganisation dem ISIS gleichsetzen. Gott sei Dank gebe es die Schweiz, in der eine Willkommenskultur für Schwarzgeld herrsche. Vico Torrianis „In der Schweiz“ wird sogleich umgedichtet und nebst Jodler zum Amüsement des Publikums vorgetragen. Musiker Oliver Vogt sorgt für die stimmungsvolle Klavier-Begleitung. In seinem Solobeitrag zuvor singt er von „Zehn kleinen Negerlein“, covert den Toten-Hosen-Song, umgetextet in bitterböse Satire, wie es Menschen auf der Flucht etwa übers Meer ergeht. „Ein kleines Negerlein und alles macht sich Sorgen …“ Kontraste in Lied und Spiel: da das Sterben, hier die Sorge ums fette Vermögen.

Trump, Putin, Erdogan, Orban

Die Kantinenmamsells Tina und Jette üben Staatsbesuch. Tina mimt Angie, Jette spielt die Herren Trump, Putin, Erdogan und Orban, die der Kanzlerin getrennt voneinander ihre Aufwartung machen. Das in „Dinner for one“-Manier gespielte Aufeinandertreffen der Politiker löst im Saal kollektives Gelächter aus und ist die beste Nummer des Abends. Heike Ronniger wechselt blitzschnell nur durch Austausch der Kopfbedeckung die Rollen, stolpert James-gleich über die Bühne, sagt „Let’s fuck“ (Trump), „Auf das Osmanische Reich!“ (Erdogan), verpackt die kleinen Spitzen, etwa: „Kein Knicks vor den Türken!“ Das „Merkel-Face“ der Marion Bach dazu – herrlich komisch ist die Szenerie. Dazu die passende nationenabgestimmte Klaviermusik – bestes Kabarett!

Natürlich soll’s nicht ausschließlich lustig sein, sondern das berühmte Lachen im Halse stecken bleiben und Futter fürs Hirn geliefert werden. Lieder wie „Alarmsignal, den Kontinent, den gibt’s nicht mehr, Europa bebt“ haben nachdenklichen Text. Ebenso wenn von „33“ gesungen wird: „Auf Demokraten haut nun drauf der Mob“. Braun werde wieder gewählt. Trump hätte vom Zwickmühlen-Abend als „Fake News Comedians“ getwittert.

Recht albern mimen beide Komödiantinnen zwei Omas, die eine, die sich in aller „Hektik auf der Zielgeraden“ der gesunden Ernährung verschreibt, die andere, die der Lügenpresse, der „Apothekenrundschau“ keinen Glauben schenken will.

Weitere Sperrfeuer-Themen sind Altersarmut, Globalisierung und Lobbyismus – klug verpackt in Text, Spiel und Musik. „Die Gedanken haben frei“ erklingt es am Ende wohlgelaunt. Frei hatte an diesem Abend nicht: die Freude an feinsinnigem Kabarett aller Beteiligten auf der Bühne und im Publikum.