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Grafik von Inge Jastram und Plastik von Susanne Rast in Wernigeröder Galerie ausgestellt Zwischen Arbeiten entstehen Kraftfelder

Von Jörg-Heiko Bruns 12.12.2012, 01:23

Die exellente Zeichnerin Inge Jastram stellt mit ihrer Tochter, der bildstarken Plastikerin Susanne Rast gemeinsam in Wernigerode in der Galerie im Ersten Stock aus. "Mensch Figur Zeichen" ist bis zum 6. Januar zu sehen.

Wernigerode l Der 2011 verstorbene Bildhauer Jo Jastram, Ehemann und Vater der beiden, erhielt 1999 den Kunstpreis der Stadt Wernigerode, und Plastiken von ihm schmücken die Stadt. So ist es nicht verwunderlich, dass der Kunst- und Kulturverein auch weiter die Beziehungen zu den Jastrams pflegt. Die neue Ausstellung belegt, wie wertvoll diese Verbindungen sind.

Inge Jastram (geboren 1934) und Susanne Kraft (geboren 1962) haben der Galerie im Ersten Stock eine beglückend schöne und spannungsreiche Ausstellung beschert. Die Kraftfelder, die zwischen den Plastiken (zumeist, Eiche gebrannt) und den Radierungen (mache auch koloriert) entstehen, erhöhen den Ausstellungsgenuss. Ja, man kann in dieser Ausstellung Kunst genießen, auch wenn sie nicht nur heiter daherkommt.

Inge Jastram hat in den 1950er Jahren bei Werner Klemke in Berlin studiert und machte ihr Diplom als Buchgrafikerin. Mit ihrem Mann Jo Jastram zog sie Ende der 1950er Jahre nach Rostock. Seit 1973 lebten sie mit ihren Kindern Jan (heute ebenfalls Bildhauer) und Susanne in Kneese bei Marlow. In DDR-Zeiten war Inge Jastram für verschiedene Verlage als Illustratorin tätig und schuf große Wandbilder unter anderem gemeinsam mit dem Rostocker Künstler Feliks Büttner.

Seit 1990 widmet sie ihre Kraft wieder mehr den freien Arbeiten. Sie radierte was ihr bei ihren Menschenbeobachtungen ins Auge fiel und dazu kommen Landschaften in karger Schönheit. Der mit der Künstlerin befreundete Zeichner Jochen John bringt in seinem Katalogtext die Radierkunst der Inge Jastram auf den Punkt: "Und wenn sie bestechend sicher in kühnen Verkürzungen, in Drauf- und Untersichten die vielen Männer und Frauenfiguren zeichnet ..., ist sie von der Unterschiedlichkeit dünner und dicker Leiber, von Laszivität, von Wutaugen und Dulderinnen, geilen Blicken und Anblicken, von der jugendstiligen Länglichkeit, von feistem Dickfleisch in Wangen und Hinterbacken ..., von den Gegensätzen der Menschenbilder hingerissen."

Die Radierung "Im Café" zu dem Großstadtroman "Fabian" von Erich Kästner (1931) ist hier ein treffliches Beispiel. Dass hier Otto Dix und George Grosz wichtige Anregungen gaben, ist ablesbar und von ihr gewollte geistige Verwandtschaft. Die modebewussten hut- und pelzgeschmückten Damen, die Clowns und Harlekine und die verzückten und entzückenden Akte sind die Welt der Inge Jastram, wenn sie expressiv auf der Radierplatte arbeitet. Ruhiger wird es, wenn sie ihre sparsamen Landschaften in stiller Poesie ins Bild bringt.

Susanne Rast studierte wie ihre Mutter in Berlin-Weißensee, wo ihr Vater Jo Jastram, Rolf Biebl und Eberhart Bachmann ihre Lehrer waren. Die menschliche Figur ist bei ihr Ausgangspunkt, Weg und Ziel - und immer Ausdrucksträger eines differenzierten und spannungsvollen Verhältnisses der Menschen zur Wirklichkeit in dieser Welt.

"Die Bildideen der Bildhauerin und Zeichnerin entspringen eher inneren Ansichten als äußeren Anlässen. Es geht um Sehnsüchte, um Zurückführung des Menschen zu sich selbst, eher um "Introversion des Seelischen" als um "Expression der Gefühle". Die Figuren atmen Pathos, das sie aus der Individualität ins Allgemeine überhöht", schreibt Klaus Tiedemann im Katalogtext. Oft sind es fragile Wesen, zurückgenommen beschützenswerte Individuen wie die Kinderfigur "Vanessa", 2004 aus Eiche geformt, oder die Engel. Der Besucher bekommt, bei den gut 10 ausgestellten Beispielen und auch nach dem Blättern in beiden Katalogen, Lust auf eine größere Schau, gemeinsam mit den beeindruckenden Zeichnungen.

Vielleicht ein späteres Projekt für Wernigerode?

Galerie im Ersten Stock, geöffnet: Dienstag bis Freitag von 11 bis 12 und 14 bis 17 Uhr, Sa 11 bis 17 Uhr, So 14 bis 17 Uhr