Berlin (dpa) - Die Kulturminister der Länder haben die Entscheidung für Chemnitz als Europäische Kulturhauptstadt zunächst nicht bestätigt. Erst Anfang des kommenden Jahres soll ein entsprechender Beschluss gefasst werden, teilte die Runde mit.

Zuvor soll ein Gesprächsangebot der Jury über das in die Kritik geratene Vergabeverfahren angenommen werden. Nach dpa-Informationen wurden durch den Schritt die Chancen für eine gewünschte einstimmige Entscheidung gewahrt. Bei einem sofortigen Votum für Chemnitz soll Bayern, derzeit Vorsitz in der Kulturministerrunde, eine Enthaltung angekündigt haben. Nürnberg war neben anderen Städten mit dem Votum der Jury für Chemnitz leer ausgegangen.

Die Kulturministerkonferenz stehe zu Chemnitz, hieß es in der Mitteilung. "Die Kulturministerkonferenz nimmt in Aussicht, Anfang Januar 2021 die Stadt Chemnitz auf Basis der im Auswahlbericht der Jury enthaltenen Empfehlung zur Kulturhauptstadt Europas für das Jahr 2025 zu ernennen." Gleichzeitig werde das Angebot der Vorsitzenden der Europäischen Jury, Sylvia Amann, angenommen, auch über die Medienberichte zu sprechen. Darin war von möglichen personellen Verstrickungen im Vergabekarussell berichtet worden. Das Gespräch soll Anfang Januar 2021 stattfinden.

"Alle Bewerberstädte haben ein transparentes Verfahren verdient", sagte Bayerns Kunstminister Bernd Sibler, derzeit Vorsitzender der Ministerrunde. "Die Vorwürfe sollten ausgeräumt sein, bevor die offizielle Ernennung erfolgt." Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch sagte: "Chemnitz ist zweifelsohne die Siegerstadt, dies betonten alle Mitglieder der Kulturministerkonferenz in der heutigen Videoschalte. Gleichzeitig ist es wichtig, dass es keine Zweifel an der Ernennung gibt, deshalb nehmen wir uns die Zeit und entscheiden Anfang Januar."

Die sächsische Stadt hatte sich Ende Oktober gegen die auf der Shortlist noch vertretenen Städte Hannover, Hildesheim, Magdeburg und eben Nürnberg durchgesetzt. Die entsprechende Empfehlung für Chemnitz verkündete die europäische Auswahljury. Zuvor waren im Dezember die Mitbewerber Dresden, Gera und Zittau ausgeschieden.

Die Empfehlung der Jury muss von Bund und Ländern noch in eine formelle Ernennung umgewandelt werden. Die zweite Europäische Kulturhauptstadt 2025 stellt Slowenien. In diesem Jahr können sich Rijeka in Kroatien und Galway in Irland mit dem Titel schmücken.

Jüngste Europäische Kulturhauptstadt aus Deutschland war Essen mit dem Ruhrgebiet (2010). Ausgezeichnet wurden davor auch schon Weimar (1999) und West-Berlin (1988).

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Kulturstiftung zu Bewerbern

Kulturhauptstadt Magdeburg 2025

Kulturhauptstadt Nürnberg 2025

Kulturhauptstadt Hildesheim 2025

Kulturhauptstadt Hannover 2025

Kulturhauptstadt Chemnitz 2025