München (dpa) - Der Rechtsstreit um das Testament von Cornelius Gurlitt (1932-2014) vor dem Oberlandesgericht (OLG) München ist einen wichtigen Schritt weitergekommen.

Inzwischen liegt ein Gutachten zu der Frage vor, ob der umstrittene Kunsthändler beim Verfassen seines letzten Willens im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte war oder nicht. Das Gutachten werde nun den Prozessbeteiligten zugesandt, sagte ein OLG-Sprecher. Sie hätten Gelegenheit zur Stellungnahme. Zum Inhalt des Gutachtens sagte er nichts. Eine Entscheidung im Rechtsstreit sei noch nicht gefallen, betonte er.

Einige Medien wie der Tagesspiegel und Spiegel Online berichteten, das Gutachten komme zu dem Schluss, Gurlitt sei zurechnungsfähig gewesen. Gurlitts Cousine Uta Werner hat das Testament angefochten, weil sie davon ausgeht, dass der alte Mann dies eben nicht war.

Das Amtsgericht München hatte Werners Forderungen zuvor abgelehnt und das Testament für rechtmäßig erklärt, die Gurlitt-Cousine legte Rechtsmittel gegen die Entscheidung ein.

Ein Sprecher von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) betonte, sie kenne das Gutachten nicht, würde aber begrüßen, wenn der Sachverständige zu dem Urteil komme, dass Gurlitt in der Lage war, ein gültiges Testament zu verfassen: Wenn das Sachverständigengutachten die Testierfähigkeit von Herrn Gurlitt für sein Erbe bestätigt, wäre das vor allem für die Opfer des Nazi-Kunstraubs eine große Erleichterung.

Für Ende kommenden Jahres sei eine Ausstellung in Berlin geplant, teilte ihr Sprecher mit. Die Kunst- und Ausstellungshalle plant in der Tat zum Ende des Jahres 2016 eine Ausstellung mit Werken aus dem Nachlass von Cornelius Gurlitt, vornehmlich mit denjenigen Werken, die unter Nazi-Raubkunstverdacht stehen.

Der spektakuläre Schwabinger Bilderfund hatte die Kunstwelt 2013 in Atem gehalten. Damals wurde bekannt, dass bereits im Jahr 2012 rund 1280 Kunstwerke in Gurlitts Münchner Wohnung von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden waren. Zwei Jahre später tauchten weitere 238 Gemälde in seinem verwahrlosten Haus in Salzburg auf. Bei Hunderten davon bestand Verdacht auf Nazi-Raubkunst.

Eine Taskforce um Leiterin Ingeborg Berggreen-Merkel wurde eingesetzt, um die Herkunft der Bilder zu klären. Zum Jahresende stellt die Taskforce ihre Arbeit ein. In fünf Fällen erhärtete sich nach Ansicht der Experten der Raubkunst-Verdacht, Hunderte Fälle sind noch offen. Gurlitt starb am 6. Mai 2014, ohne seine Bilder noch einmal gesehen zu haben.