Gesundheit

Apps und Telemedizin sollen die Pflege erleichtern

Von Steffen Honig

Volksstimme: Was gehört bisher zu digitalen Pflegeanwendungen (DiGAs)?

Tino Sorge: Zahlreiche Apps für das Handy oder Tablet unterstützen schon heute den Alltag in der Pflege. Da geht es um Apps, die bei Senioren frühzeitig ein Sturzrisiko erkennen, aber auch um das Gedächtnistraining für Menschen mit Demenz. Digitale Assistenten haben für die Pflege zu Hause großes Potenzial. Das können auch Apps für Sprachübungen sein, die nach einem Schlaganfall helfen, das Reden wieder zu erlernen.

Was können sie?

Die allermeisten Menschen wünschen sich, dass sie im Alter so lange wie möglich zuhause und in der vertrauten Umgebung leben können. Genau dazu können digitale Helfer beitragen. Sie unterstützen Pflegebedürftige, sie entlasten aber auch die Angehörigen. Insofern sind digitale Pflegeanwendungen ein Instrument von vielen, um die Pflege für alle Beteiligten zu erleichtern.

Digitale Anwendungen sollen neben übliche Arztbehandlungen treten, möglichst gespeichert auf der elektronischen Patientenakte. Wie wird diese bisher genutzt?

Die elektronische Patientenakte ist in diesem Jahr als freiwilliges Angebot der Krankenkassen gestartet. Sie wird bereits von zehntausenden Versicherten genutzt. Im Notfall sind dort die Blutgruppe und andere lebensrettende Daten gespeichert. Aber auch der Impfpass oder das Zahnbonusheft können dort bald digital und fälschungssicher abgelegt werden. Auch gefährliche Medikationsfehler können bald der Vergangenheit angehören, wenn der Medikamentenplan nicht mehr handschriftlich, sondern klar leserlich und in digitaler Form vorliegt.

Die Telemedizin soll ausgebaut werden, was ist mit dieser Sparte vorstellbar?

Per Video kann eine Klinik den führenden Spezialisten aus einer weit entfernten Stadt dazu schalten, um beispielsweise eine komplizierte Krebserkrankung zu besprechen. Auf diese Weise wird Telemedizin die Qualität unserer Gesundheitsversorgung deutlich verbessern. Genauso wird die Videosprechstunde vielen Versicherten die Krankschreibung erleichtern. Es bringt ja nichts, wenn man hochinfektiös zum Arzt fährt und in der Bahn oder im Wartezimmer auch noch weitere Menschen ansteckt. Und in der Notfallversorgung wird es bald möglich sein, dass noch während der Fahrt im Rettungswagen die ersten Patientendaten erfasst und ans Krankenhaus gesendet werden. In der kritischen Zeit nach einem Verkehrsunfall kann das den entscheidenden Unterschied machen.

Welche Auswirkungen werden die neuen Regelungen auf das Pflegepersonal haben? Aktuell geht es eher um Tariflohn als um elektronische Behandlungshilfen.

Tausende Pflegerinnen und Pfleger leisten Unbeschreibliches, und zwar nicht erst seit Corona. Sie verdienen eine deutlich bessere Bezahlung. Vor allem wünsche ich mir, dass sie von Bürokratie entlastet werden. Es kann nicht sein, dass unsere Pflegekräfte nach einer harten Schicht auch noch mit Aktenbergen und stundenlanger Dokumentation kämpfen müssen. Auch hier muss gelten: Digitalisierung statt Zettelwirtschaft.