Magdeburg l Eine ganz vorzügliche Speisung erfahren Athleten, die Kienbaum besuchen. Zur Mittagszeit werden am Bundesstützpunkt zum Beispiel Rouladen oder Lasagne gereicht. Beide Gerichte sollen dem trainierten Körper die nötige Energie für die nächste Einheit zuführen. Und natürlich sättigen. Seine Wahl für eines der Gerichte ist Martin Wierig nicht schwergefallen, berichtete er am Donnerstag am Telefon. „Ich habe natürlich beides genommen“, teilte der Diskushüne vom SC Magdeburg mit. In einem Körper von 2,03 Metern Größe finden sich ja durchaus Leerräume, auf die sich die kulinarischen Köstlichkeiten verteilen können. Wichtig ist nur, dass der Wurfmuskel intakt bleibt. Und Wierigs Muskeln sind intakt.

Die SCM-Werfer hat es selbstverständlich wieder ins Brandenburgische gezogen, auch das erste Trainingslager im Ausland, dann im Februar/März im türkischen Belek, werden nicht alle in Angriff nehmen, sondern Kienbaum treu bleiben. Das liegt gerade bei Wierig an dem glücklichen Umstand, dass er mit seiner Anna Mitte Februar Eltern ihres ersten gemeinsamen Kindes werden. Das liegt außerdem an seiner Nähe zum Trainer. „Wir haben hier sehr gute Bedingungen, ich muss zum Training nicht in die Sonne fahren“, sagt Wierig.

Wierig bleibt bei Anna und seinem Trainer

Vor dieser Wahl zwischen Kienbaum und Belek hatte ihn sein Trainer selbst gestellt. Armin Lemme ist aufgrund einer gesundheitlichen Vorschädigung ein Risikopatient in Zeiten der Corona-Pandemie. „Deshalb möchte ich auch nicht ins Ausland reisen. Kienbaum ist dagegen für mich ein kurzer Fahrtweg, den ich bewältigen kann“, berichtet der 65-Jährige. Wierig hat sich sofort entschieden bei ihm zu bleiben, David Wrobel indes wird die Chance nutzen, mit dem Kader des Deutschen Leichtathletikverbandes (DLV) in Belek zu arbeiten. „Dort wird er auch sehr gut betreut“, ist sich Lemme sicher.

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Der Rahmen für die nächsten Monate ist also gesteckt. Und er könnte sich allenfalls aufgrund der Geburt des oder der kleinen Wierig im Februar ändern. Mitte dieses Monats wird zumindest ein Ausscheid für den Start beim Europäischen Winterwurfcup in Leira (Portugal) stattfinden. Sowohl der 33-jährige Wierig als auch Wrobel streben eine Teilnahme am ersten internationalen Wettkampf der Saison an. Doch nicht nur den Winterwurf haben beide ins Auge gefasst. Ihre Disziplin ist nach nur einem Jahr Pause zurückgekehrt in die Diamond League. „Darüber haben wir uns sehr gefreut“, sagen beide Magdeburger. „Auch wenn es schwer wird, an einem Meeting teilzunehmen, die Konkurrenz ist ja groß“, ergänzt Wrobel.

66 Meter sind das Ziel

In erster Linie geht es für beide Lemme-Schützlinge in Richtung deutsche Meisterschaft im Juni. Dort werden endgültig die drei deutschen Werfer für die Olympischen Spiele in Tokio ermittelt. Für den 29-jährigen Wrobel wäre es die erste, für Wierig die zweite Teilnahme an Sommerspielen. 66 Meter müssen sie als Norm vorlegen, sich in der Weltrangliste sehr gut platziert haben und sich letztlich in Braunschweig in die Spitze werfen – dann klappt es auch mit Tokio.

Und bis dahin soll auch die Gesundheit funktionieren wie gewünscht. Wrobel hatte sich nach der vergangenen Saison einem Eingriff am Ellenbogen seines rechten Wurfarms unterzogen. „Mal so, mal so“, sagt er zur aktuellen Situation. Zuweilen „muckt er auf“. Was Wrobel aber nicht daran hindern konnte, in Kienbaum seine Bestleistung im Reißen mit 110 Kilogramm einzustellen. Wierig, der wegen seiner Rückenprobleme den vergangenen Werfer-Sommer vorzeitig beenden musste, sagt: „Der Rücken hält.“

Am vergangenen Freitag sind Wierig, Wrobel und Lemme wieder nach Magdeburg zurückgekehrt. Jeweils vier Tage Ruhe gönnen sie sich über Weihnachten und den Jahreswechsel. „Wir haben in den vergangenen Wochen sehr gut trainiert, da darf man dem Körper auch mal ein bisschen Erholung gönnen“, sagt Wierig. Und ihm Energie schenken. Die Auswahl an kulinarischen Köstlichkeiten wird über die Feiertage grenzenlos sein.