Unsere Landeshauptstadt Magdeburg sei eine „Schwarmstadt“. Das habe er auf einer Wahlveranstaltung kurz vor der Stadtratswahl erfahren – allerdings ohne dass konkret gesagt worden wäre, was darunter zu verstehen sei, beklagte ein Magdeburger Leser am Telefon. Seine ironische Anmerkung, das habe ja wohl nichts damit zu tun, dass man angesichts Magdeburgs großer Bauprojekte wie Tunnel und Straßenbahntrasse ins Schwärmen geraten könne, trifft zu. „Schwarmstadt“ hat tatsächlich nichts mit Schwärmereien zu tun, obwohl man natürlich durchaus von seiner Stadt oder Dingen in ihr schwärmen könnte.

Eine „Schwarmstadt“ ist schlicht und einfach eine Stadt, in die besonders viele junge Menschen ziehen – was auf Magdeburg dank der „Attraktivität von Unternehmen und Hochschulen“ (Wirtschaftsbeigeordneter Rainer Nitsche) erfreulicherweise zutrifft. Eine „Schwarmstadt“ zeichnet ein hoher Anteil der 15- bis 35-Jährigen an der Bevölkerung aus.

Der Begriff wurde 2013 vom wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Forschungs- und Beratungsinstitut „emperica“ geprägt. „Schwarmstadt“ beschreibt die Art und Weise, wie sich die Bevölkerung in Deutschland umverteilt. „Ein verändertes Wanderungsmuster verursacht ein ‚Schwarmverhalten‘. Der Begriff soll ausdrücken, dass insbesondere die jüngere Bevölkerung aus den meisten Regionen Deutschlands wie Vögel aufsteigt, als Schwarm in vergleichsweise wenige ‚Schwarmstädte‘ einfällt und dort für knappen Wohnraum sorgt, während sich die Abwanderungsregionen zunehmend entleeren“, so die Erläuterung des Instituts.

Der Begriff „Schwarmstadt“ hat inzwischen eine ge­wis­se Ver­brei­tung er­fah­ren – immerhin gibt es aktuell 40 „Schwarmstädte“ – und wurde deshalb ins Neologismenwörterbuch des Leibniz-Instituts für Deutsche Sprache aufgenommen. Darin werden ausführlich neue Wörter, neue Phraseologismen sowie neue Bedeutungen etablierter Wörter, die neu in den allgemeinsprachlichen Teil des Wortschatzes der deutschen Standardsprache eingegangen sind, beschrieben.