Ein achtjähriger Junge wird auf dem Frankfurter Hauptbahnhof vor einen Zug gestoßen und stirbt. Der mutmaßliche Täter stammt aus Eritrea. Die Selbstverständlichkeit, mit der die Medien fast augenblicklich die ethnische Herkunft des Täters nannten, hat in der Branche erneut Diskussionen ausgelöst.

Beugen sich Journalistinnen und Journalisten Druck von rechts?, fragte die „Frankfurter Rundschau“ im Kommentar. Dass man die auf die Tat folgende gesellschaftliche Debatte, „nur einordnen kann, wenn man weiß, dass der Täter aus Eritrea kommt – und damit auch seine Herkunft zu jener ganzen Wahrheit gehört, der wir verpflichtet sind“, meinte Ines Pohl, Chefredakteurin der Deutschen Welle.

Hendrik Zörner, Pressesprecher des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV), sagte gegenüber der „Frankfurter Rundschau“: „Vor fünf Jahren hätten weder die Polizei noch die Presse sofort über die Nationalität des Verdächtigen berichtet.“ Damals habe sich ein Großteil der Redaktionen noch an den Vorgaben des Deutschen Presserats orientiert, der empfahl, die Herkunft eines Täters „nur dann“ zu erwähnen, wenn ein „begründbarer Sachzusammenhang“ zur Tat gegeben sei.

Als erste war die „Sächsische Zeitung“ 2016 davon abgerückt. Sie nennt seither immer die Nationalität – mit der Begründung, dass die meisten Leser bei Nichtnennung der Herkunft automatisch von Flüchtlingen als Täter ausgingen. Anfang 2017 fasste der Presserat schließlich seine Richtlinie 12.1 neu. Danach soll die Zugehörigkeit von Tatverdächtigen zu einer ethnischen oder religiösen Minderheit „in der Regel nicht erwähnt werden, es sei denn, es besteht ein begründetes öffentliches Interesse“.

DJV-Sprecher Hendrik Zörner sieht nun keineswegs ein Einknicken vor rechten Demagogen, wie er der „Frankfurter Rundschau“ sagte. Das Ziel bleibe, Diskriminierungen und Verallgemeinerungen zu vermeiden. Wenn allerdings die Polizei Informationen über die Herkunft herausgebe, geisterten diese sofort durchs Netz. Medien machten sich dann lächerlich, wenn sie nicht darüber berichteten, so Zörner.