Berlin (dpa) - Die Mimik sparsam. Die Gesten klein. Die Stimme ist es, die Edith Clevers feinnervige Bühnenauftritte zu großer Kunst machen. Mit ihrer extrem präzisen Sprachgestaltung gelingt es der Schauspielerin, vor den Augen der Theaterzuschauer ganze Welten zu erschaffen und die Schicksale ihrer Bühnenfiguren zu gestalten.

Der Star der alten Berliner Schaubühne unter Regisseur Peter Stein lebt heute sehr zurückgezogen im Berliner Umland und scheut die Öffentlichkeit. Am Sonntag (13.12.) feiert Clever ihren 75. Geburtstag.

Ich glaube, man kann der Magie der Zahlen nicht entkommen, sagt Clever im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur über ihren runden Geburtstag. Wir fürchten uns davor. Aber sie initiieren uns für das Kommende. Vor zwei Jahren stand sie in Luc Bondys Tartuffe-Inszenierung in Wien zuletzt auf der Bühne. Wird sie noch einmal ans Theater zurückkehren? Ich habe mich jetzt so in die Stille begeben - und da wieder hinauszugehen, und diese ganze Nervenkiste, die damit verbunden ist... ich weiß nicht, ich kann es mir nicht mehr so richtig vorstellen, so Clever. Zeit ihres Lebens litt sie unter heftigem Lampenfieber. Danach sehne ich mich ganz bestimmt nicht zurück.

Ins Theater geht Clever auch als Zuschauerin nicht mehr gerne. Weil es mir nicht mehr gefällt, erzählt die Schauspielerin. Ich habe das Gefühl, die Geschichten werden meistens sehr willkürlich verhandelt. Man geht nicht mehr so auf die Texte ein, wie ich es gelernt habe und es auch immer noch richtig finde.

Geboren am 13. Dezember 1940 in Wuppertal, absolvierte Clever ihre Schauspielausbildung an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Nach einem ersten Engagement in Kassel ging sie 1966 ans Theater der Freien Hansestadt Bremen, wo sie unter Kurt Hübner spielte. Es folgten Auftritte an den Münchner Kammerspielen und am Zürcher Schauspielhaus, bevor sie 1971 an die West-Berliner Schaubühne ging.

Zusammen mit Schauspielerkollegen wie Otto Sander, Bruno Ganz und Jutta Lampe führte Clever die Schaubühne in den folgenden Jahren zu Weltruhm. Aber diese Art von Ensemble-Theater gibt es heute nicht mehr, meint Clever. Wir waren uns einig in dem was wir wollten. Politisch gingen die Meinungen auseinander, aber wir konnten uns über Texte zusammenfinden. Alles war sehr, sehr konzentriert. Keiner der Schauspieler machte Fernsehen.

Unter der Regie von Stein feierte Clever ihre größten Triumphe. Sie spielte die Warwara in Gorkis Sommergäste (1975), die Ruth in Strauß' Trilogie des Wiedersehens (1978) und die Klytämnestra in Aischylos' Orestie (1980). Unvergesslich ist Clevers Auftritt in Steins legendärer Tschechow-Inszenierung Drei Schwestern (1984). Die klassischen Frauenfiguren des Theaters holte sie stets in die Gegenwart. In den Texten spürte sie dem gesellschaftlichen und emotionalen Grund nach.

Als sich das Schaubühnen-Ensemble Ende der 80er Jahre aufzulösen begann, tat sich Clever mit dem Regisseur Hans Jürgen Syberberg zusammen. Es entstand der zweiteilige Syberberg-Film Die Nacht - ein sechsstündiger Monolog zum Thema Nacht, der 1986 als einziger deutscher Beitrag im Festspielprogramm von Cannes lief. Gleichzeitig entrückt und erdverbunden wirkend, prägte Clever auch Syberbergs Parsifal-Verfilmung.

Gefeiert wurde Clever als Penthesilea, die sie 1987 im Theatre Bouffes du Nord in Paris spielte. Alle Rollen, fast alle Verse der Verstragödie in 24 Auftritten erweckte sie in einem fast fünfstündigen Solo-Auftritt unter der Regie von Syberberg zum Leben. 1996 kehrte Clever kurzzeitig an die Schaubühne zurück, wo sie Regie und die Titelrolle von Euripides' Medea übernahm. Später arbeitete sie fast nur noch mit Luc Bondy zusammen.

Name Beruf Geburtsdatum Geburtsort Land
LEE, Amy amerikanische Sängerin 34 13.12.1981 Riverside USA
DELONGE, Tom amerikanischer Musiker 40 13.12.1975 Poway USA
FOXX, Jamie amerikanischer Schauspieler 48 13.12.1967 Terrell USA