Düsseldorf (dpa) - In Oberhausen, mitten im Ruhrpott, ist Karl-Heinz Feldkamp geboren. In 316 Spielen stand er für Rot-Weiß Oberhausen auf dem Platz. Er galt als Kämpfer - früher wie heute hängt sein Herz an diesem Verein.

Erst kürzlich war er wieder dort. Der Club - inzwischen Regionalligist - hatte Aufstiegshelden von 1969 und Spieler des ersten Bundesligajahres geladen. Zwölf Ehemalige kamen zum 50. Jahrestag. "Das war ein schönes Wiedersehen", sagt Feldkamp im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

An diesem Sonntag steht das nächste Jubiläum an: Der Mann mit den grauen Locken, den viele nur "Kalli" rufen, feiert seinen 85. Geburtstag. Diesmal wird es keinen großen Auflauf geben. Der frühere Erfolgstrainer verbringt den Tag mit Ehefrau Helma und Freunden an der Küste Portugals. Seine Kinder und Enkelkinder trifft er Ende Juni in der Pfalz. "Ich habe jeden persönlich angerufen und tatsächlich, sie haben sogar alle Zeit. So selbstverständlich ist das heutzutage ja nicht", berichtet Feldkamp schmunzelnd.

Gemeinsame Familienzeit ist ihm wichtig. Das war auch der Grund, warum er vor sieben Jahren mit seiner Frau zu Tochter Miriam nach Braunschweig zog. Ihren zweiten Wohnsitz haben die Feldkamps weiterhin in Spanien. "Aber uns war klar: Wenn wir unsere Enkel aufwachsen sehen wollen, müssen wir in deren Nähe ziehen", erklärt Feldkamp in einem Telefonat. "In all den Trainerjahren hatte ich ja für meine inzwischen erwachsenen Enkel nie viel Zeit."

Der Erfolgscoach schaut auf eine lange Karriere zurück. Er führte Bayer Uerdingen (1985), Eintracht Frankfurt (1988) und den 1. FC Kaiserslautern (1990) zum DFB-Pokalsieg. Mit dem FCK schrieb er eine unglaubliche Erfolgsgeschichte, auch mit dem Meistertitel 1991. "Wie wir uns beim 6:2 in Köln schließlich doch die Meisterschaft geholt haben, war sensationell. Bis heute mein schönstes Erlebnis", schildert Feldkamp.

Das spektakulärste Spiel seiner Laufbahn bestritt er mit Uerdingen im Europapokal gegen Dynamo Dresden. 0:2 ging das Hinspiel verloren. Zur Pause im Viertelfinal-Rückspiel lagen die Krefelder 1:3 zurück, ehe der Motivator Feldkamp sein Team zu einem unglaublichen 7:3-Erfolg antrieb. Überhaupt sei die Zeit in Uerdingen eine besondere gewesen.

Später trainierte er auch Al-Ahly Kairo, wurde 1993 mit Galatasaray Istanbul türkischer Meister. 14 Jahre später, mit 73 Jahren, kehrte der nimmermüde Trainer in den Unruhestand zurück und trat ein zweites Mal beim türkischen Top-Club an. Seit zehn Jahren ist er Pensionär.

Zu ehemaligen Spielern hält Feldkamp engen Kontakt. Auch Friedhelm Funkel gehört dazu. "Vor ihm und seiner Arbeit bei Fortuna Düsseldorf ziehe ich den Hut. Wie er im Winter seinen Job behauptet und sich mit seiner Mannschaft in der Tabelle nach oben geschoben hat, das hat mich beeindruckt", sagt Feldkamp. "Ich würde mir nur wünschen, dass die Trainer sich in der Öffentlichkeit häufiger wehren." In Anspielung auf den FC Bayern, die ständige Kritik und die lange unklare Situation von Niko Kovac, sagt Feldkamp: "Ich hätte vorher gekündigt."

An neuen Herausforderungen mangelt es ihm auch mit 85 Jahren nicht. Sein Alter merkt man ihm ohnehin nicht an. In Spanien spielt er zwei Mal in der Woche Tennis. "Ich fühle mich gut", sagt Feldkamp und berichtet vom Wunsch, "gerne noch mal nach Grönland zu fahren".

Aber es gab auch Niederlagen, die ihn bis heute verfolgen - wie das legendäre Europapokalspiel gegen den FC Barcelona 1991. 0:2 unterlag er 1991 mit Kaiserslautern im ersten Duell. Im Rückspiel führte der FCK lange mit 3:0 und kassierte in der Nachspielzeit das Gegentor. "Das war schlimm. Dieses Tor hat mich wirklich hart und nachhaltig getroffen", erinnert sich Feldkamp. "Wenn ich in Spanien zum Markt gehe, werde ich heute noch darauf angesprochen. Bakero, der Kleinste im Team, köpfte uns aus dem Turnier." Inzwischen kann er wieder lachen: "Einer der Händler hier ist glühender Barca-Fan. Zumindest bekomme ich immer die schönsten Tomaten."

Portrait Feldkamp beim DFB