Berlin (dpa) - Nazi-Größe, Gynäkologe oder Agent: Sebastian Kochs Rollen-Portfolio kann sich sehen lassen. Der Schauspieler sagt dabei nicht nur für Hauptrollen zu. Seit einer Woche ist er als gestrenger Vater eines Novizen im Mittelalter in der Serie "Der Name der Rose" bei Sky zu erleben.

"Ich glaube, der Beruf ist dann interessant, wenn man wählen kann. Das große Geschenk ist, dass ich aussuchen kann", sagte er 2017 im SWR-Fernsehen. Wie er seine Rollen aussucht? "Für mich ist wichtig, dass ich Spaß dran habe, an meine Grenzen gehe und selber das mag, was ich mache." Heute wird er 57.

Geboren 1962 in Karlsruhe und aufgewachsen in Stuttgart, besuchte Koch die Schauspielschule in München und begann seinen Karriere auf der Theaterbühne. Nebenher versuchte er sich im Fernsehen, "Tatort", "Derrick", "Wolffs Revier".

Mit dem TV-Zweiteiler "Todesspiel" (1997), in dem er den RAF-Terroristen Andreas Baader verkörperte, kam er groß heraus. Das war der Anfang einer jahrelangen und erfolgsgekrönten Zusammenarbeit mit dem Regisseur Heinrich Breloer. Dieser besetzte Koch 2001 zunächst als entführten Fabrikantensohn Richard Oetker im Krimi "Der Tanz mit dem Teufel" und dann als Klaus Mann im Dreiteiler "Die Manns - Ein Jahrhundertroman". Damit war Koch nun reif für den Grimme-Preis 2002 - und zwar gleich für zwei.

Den Deutschen Fernsehpreis als bester Schauspieler bekam er für Breloers Doku-Drama "Speer und er" (2005) als Nazi-Architekt Albert Speer. Ein Jahr zuvor hatte er in einem Fernsehfilm von Joe Baier als Hitler-Attentäter "Stauffenberg" von sich reden gemacht.

Und dann kam 2006 "Das Leben der Anderen". Der Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck hatte Koch gewinnen können, in die Rolle eines von der Stasi drangsalierten Intellektuellen in der DDR zu schlüpfen. Spätestens mit dieser Rolle wurde der Schauspieler auch international bekannt. Der Film wurde in Los Angeles mit einem Oscar als bester nicht englischsprachiger Film ausgezeichnet.

Seitdem hat Hollywood schon mehrfach bei dem Schauspieler angeklopft. Koch konnte sich die Kamera beispielsweise mit Liam Neeson und Diane Kruger ("Unknown Identity", 2011) teilen, mit Bruce Willis ("Stirb langsam 5", 2013) und Tom Hanks ("Bridge of Spies - Der Unterhändler", 2015) oder Eddie Redmayne ("The Danish Girl", 2015).

Zuletzt lief es allerdings weniger glücklich für ihn. An Henckel von Donnersmarcks Drama "Werk ohne Dichter" (2018), in dem Koch einen eiskalten SS-Arzt spielt, schieden sich die Geister. Gleichwohl wurde das Drei-Stunden-Epos für einen Auslands-Oscar 2019 nominiert, was Koch hoffen ließ, der Film bekäme eine zweite Chance beim Publikum.

"Für mich ist es wichtig, dass sich die Deutschen selbst ein Urteil bilden, ins Kino gehen und sich nicht abschrecken lassen von Kritiken, die mit der Sache gar nicht so viel zu tun haben", sagte er der Deutschen Presse-Agentur im Januar. "Den Film muss ja keiner mögen. Er sollte aber respektvoll behandelt werden. Und das war hier leider nicht der Fall", stellte er fest.