München/Offenburg (dpa) - "Ich kam mir vor wie in einem großen Atelier. Dessen kreativer Geist sollte schon bald die größten Veränderungen der Medienwelt hervorbringen."

Verleger Hubert Burda beschreibt hier im Vorwort seines Buches "Digitale Horizonte" Eindrücke von der US-Westküste in den 1990er Jahren mit Film-, Musikindustrie und Programmierern. Es ist eine Zeit, die technologisch betrachtet gefühlt Jahrhunderte zurückliegt.

Es gab keine Smartphones. Es gab kein Facebook. Es gab keine Medienhäuser, die mit Digitalabos experimentieren, um sinkende Printauflagen aufzufangen. Die digitale Welt, die sich abzeichnen sollte, zog Burda damals in den Bann. Heute ist er ein mächtiger Verleger, der die alte wie die neue Welt der Medien verbindet. Heute wird er 80 Jahre alt.

Mit dem Namen Burda verbindet man vieles: das Nachrichtenmagazin "Focus", die People-Zeitschrift "Bunte", das Mode- und Nähmagazin "Burda Style", die Fashion-Zeitschrift "Elle", das vor allem in Ostdeutschland beliebte Magazin "Superillu". Image prägend für seinen Verlag sind auch die glamouröse Medienpreis-Gala Bambi, die Münchner Innovationskonferenz DLD (Digital, Life, Design). Deren jüngste Ausgabe im Januar hatte das Motto: "What are you adding?" - etwa: "Was bringst du ein?"

Hubert Burda brachte einen großen Gestaltungswillen in das Verlagsgeschäft mit. Nach einer Erbschaftsteilung mit seinen Brüdern Franz und Frieder übernahm er in den 1980er Jahren die Geschäfte mit 15 Zeitschriften. Er machte aus dem süddeutschen Verlagserbe seiner Eltern Aenne und Franz Burda einen international agierenden Konzern, der sich heute als Tech und Media Company mit Standorten wie Paris, New York, Warschau und São Paulo präsentiert.

2018 erwirtschaftete die Hubert Burda Media Holding mit Sitz im badischen Offenburg und in München nach eigenen Angaben einen Umsatz von 2,66 Milliarden Euro. Burda hat mehr als 12.000 Mitarbeiter und rund 600 Medienprodukte in Deutschland und weiteren 17 Ländern - darunter allein hierzulande rund 150 Zeitschriften. All das hatte mit Burdas Großvater 1903 und einer kleinen Druckerei in Baden-Württemberg begonnen.

Das Medienhaus ist zu 100 Prozent in Familienbesitz: Hubert Burda ist Eigentümer zusammen mit seinen Kindern Jacob Burda (30) und Lisa Furtwängler (28). Es sind die beiden Kinder, die Burda mit seiner zweiten Ehefrau, der Schauspielerin Maria Furtwängler (53, "Tatort"), hat. In einem "Spiegel"-Interview im Jahr 2012 beschrieb Furtwängler ihren Mann als "einen extrem starken und selbstbewussten Mann, in dessen Schatten man leicht zum Umfeld wird, zum Satelliten".

Im Privaten musste Burda manchen Schicksalsschlag erleben. Sein Sohn aus erster Ehe, Felix Burda, starb 2001 an Darmkrebs. Mit seiner früheren Frau Christa Maar gründete Burda daraufhin eine Stiftung, die den Namen des Sohnes trägt, für den Kampf gegen diese Erkrankung.

Inspiration holte sich Hubert Burda, der am 9. Februar 1940 in Heidelberg geboren wurde, in der Kunst und in der Literatur. Schon in jungen Jahren. "Zwischen 13 und 15 habe ich jeden Nachmittag im Atelier eines Malers verbracht und Leinwände grundiert, Pigmente angerieben und gemalt", sagte Burda in einem Interview des "Süddeutsche Zeitung Magazins" zu seinem 75. Geburtstag.

Der Schriftsteller Peter Handke und der Pop-Art-Künstler Andy Warhol galten als Freunde der Familie. Burda bezeichnete Warhol in dem Interview als "Symbolfigur dafür, dass die Welt der Illustrierten und die Welt der Kunst und Literatur nicht unvereinbar sind."

Burda studierte Kunstgeschichte, Archäologie und Soziologie und promovierte in den 1960er Jahren. Den Anfang seiner Karriere im Burda-Konzern beschrieb er selbst in dem Interview so: "Ich habe sieben Jahre lang nur Fehler gemacht." Er sagte auch: "Ich war wahnsinnig elitär und zum Teil auch von einer unerträglichen Überheblichkeit. Als ich mit dieser Attitüde bei Burda zur Tür reinkam, hieß es natürlich: 'Dieses aufgeblasene Rindvieh von Doktor!'"

Burda, der sich 2010 von der operativen Unternehmensführung zurückzog, wagte im Laufe seiner Verlagskarriere vieles. Dabei ging auch einiges schief. Seine erste Zeitschriftengründung Ende der 1960er Jahre - ein Männermagazin namens "M." - wurde ein Flop. Burda machte weiter. Die Boulevardzeitung "Super!" erschien 1991. Mit Technikern des Medienunternehmers Rupert Murdoch wurde sie damals innovativ mit digitaler Druckplattenbelichtung und computererfassten Texten hergestellt. Auch sie wurde eingestellt. Burda machte weiter.

1993 startete der "Focus" als Nachrichtenmagazin - entgegen mancher Prognose wurde das ein großer Erfolg für Burda und Helmut Markwort, der langjähriger Chefredakteur und das Gesicht hinter der Entwicklung des Magazins war. Mit dem Slogan "Fakten, Fakten, Fakten" machte dieser TV-Werbung für die Zeitschrift. Die Auflagen schnellten schon bald nach der Gründung nach oben, für den Verlag bedeutete das einen Coup.

Auch das Portal "Focus Online" schob Burda, der auch viele Jahre Chefredakteur der "Bunten" gewesen war, schnell an. Gisela Freisinger schrieb in ihrer durchaus mit spitzer Feder verfassten Biografie über ihn, die den Titel "Der Medienfürst" (2005) trägt: "In den Burda Verlag kommt die Perspektive, es kann nicht nachhaltig genug betont werden, mit dem durchschlagenden Erfolg von 'Focus'. Eine neue Welt tut sich auf mit ungeahnten Möglichkeiten und Träumen. Die neunziger Jahre sind Hubert Burdas Jahrzehnt!"

Der Präsident des Verbands Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), Rudolf Thiemann, sagt über den Verleger: "Bereits Anfang der 90er Jahre erkannte Hubert Burda als einer der ersten die unglaublichen Chancen, aber auch die Herausforderungen der Digitalisierung - sein unternehmerischer Mut, seine Neugier und Weitsicht sind eine Inspiration für die gesamte Branche."

Mit den Jahren richtete der Burda-Konzern den Blick immer wieder neu aus und wandelte sich weiter, ohne sich vom klassischen Zeitschriftengeschäft zu verabschieden. Mehr als die Hälfte des Umsatzes brachte 2018 der Bereich Digitalmarken National (55,2 Prozent) ein, in dem die wesentlichen deutschen Internet-Aktivitäten vereint sind. Das Unternehmen geht damit einen ähnlichen Weg wie andere große Medienkonzerne in Deutschland: Es konzentriert sich auf Wachstum im Digitalen - mit den Medienmarken, aber auch mit Rubrikengeschäften. Dazu zählen bei Burda das Jobnetzwerk Xing, das Online-Reiseunternehmen HolidayCheck und das Arztempfehlungsportal Jameda.

Die traditionellen Umsatzsäulen des Konzernbereichs, nämlich Anzeigenvermarktung und Zeitschriftenvertrieb, sind in den vergangenen Jahren rückläufig gewesen. Auch das spiegelt einen allgemeinen Trend im deutschen Medienmarkt durch die Digitalisierung wider.