Burg l Wohlig warm ist es in der Küche von Irene König. Vor ihr auf dem runden Esstisch liegt ein großes rotes Knäuel Wolle. Klick, klack. Klick, klack. Eine Masche nach der anderen nimmt sie in Windeseile mit den dünnen Stricknadeln in ihren Händen auf. Das soll mal ein Loop-Schal werden, erklärt die Burgerin. Ein Schal wie er gerade modern ist: ohne Anfang und Ende, sondern in Schlauchform. Wärmen soll dieser Schal bald einen Menschen, der kein wohlig warmes Zuhause hat, sondern auf der Straße lebt.

„Stricken für Obdachlose“ heißt die Idee von Irene König. Ihr Plan: Frauen, die gerne stricken und Zeit haben, treffen sich einmal die Woche zum Kaffee, versammeln sich um einen Tisch und sorgen Masche für Masche dafür, dass Bedürftige im Winter nicht frieren müssen. Aus einem Kaffeeklatsch wird dann - um es mit Irene Königs Worten zu sagen - ein „Strick-Klatsch“.

Wie die 66-Jährige auf diese Idee gekommen ist? „Ich habe eine obdachlose Frau getroffen und fand das so schlimm“, sagt Irene König. Ihre Augen sehen dabei sehr traurig aus. „Die Frau war mit dem Fahrrad unterwegs und hatte nicht mal eine richtige Jacke an.“ Diese Begegnung in der Innenstadt war für die Burgerin der Auslöser. Kaum Zuhause angekommen, startet die Rentnerin im sozialen Netzwerk Facebook einen Aufruf.

Letzte Woche war bereits „Strick-Start“, eine woll-begeisterte Freundin von Irene König machte sich schon mal mit ihr ans Werk. Stricken hat Irene König bereits als junge Frau gelernt. Doch während sie noch berufstätig war, wenig Zeit dafür gefunden. Vor ein paar Jahren entdeckte sie das Hobby neu. Es entstanden Mützen, Schals und Handschuhe für ihre Enkelin. Doch die ist jetzt elf Jahre alt und „trägt gerade nicht mehr so gern Selbstgestricktes“, sagt Großmama Irene König liebevoll und schmunzelt dabei.

Mit den gehäkelten Beanie-Mützen, „die gerade total im Trend liegen“ sieht das allerdings anders aus. Die tragen gerade alle - egal ob Kind, Jugendlicher oder erwachsen. So eine Mütze schafft Irene König - wenn sie gut in Form ist - an einem Winterabend. Auch die Pudelmütze mit einer großen Fell-Bommel, die sich das Enkelkind letzten Winter von ihr gewünscht hat, war ruckzuck fertig. Ein einfaches Zopfmuster strickt Irene König dabei aus‘m Kopf, wird es komplizierter, liegt auch mal ein Strickmuster daneben. „Das brauche ich, wenn ich so viel zählen muss“, erklärt die Rentnerin.

Ein Muster braucht Irene König auch noch, wenn es um Socken geht. „Ich habe mir extra eine Freundin eingeladen, um das von ihr zu lernen.“ Warme Füße für die Bedürftigen. Irene König hat sich bereits bei der Diakonie erkundigt, auch einen Ansprechpartner in der Kirchengemeinde hat sie schon. Alle sind von der Idee begeistert und würden sich über die warmen Spenden freuen.

Was die Wolle betrifft, hat Irene König schon eine ganze Menge gesammelt. Die Gartennachbarin hatte noch eine Kiste voll stehen und ihre Kinder haben ihr auch große Knäule nach Burg geschickt. Doch wer noch was abzugeben hat, könne sich gerne melden. Und wer mitstricken will, ist sowieso jederzeit willkommen. Die Initiatorin der Strick-Gruppe stellt klar: Auch wer noch nicht stricken kann, soll dabei sein. „Das lernt sich doch ganz schnell“, macht die 66-Jährige Mut.

Wer mitmachen oder Wolle spenden will, schreibt einfach eine Mail an irenekoenig2@googlemail.com oder kontaktiert Irene König bei Facebook. Wer kein Internet hat, ruft morgen einfach an unter Telefon 03921/45 64 41.