Burg l Wenn die Lehrerinnen zu ihren Schülerinnen kommen - das wird mit dem mobilen Online-Sprachkurs in der Burger Gemeinschaftsunterkunft möglich. Unterrichtet werden dabei die weiblichen Flüchtlinge in ihrem geschützten Umfeld, während ihre Kinder direkt nebenan betreut werden.

Wie eine Schlange kriecht Birgit Glockmann unter den zum Turm aufgebauten Zollstöcken hindurch. Ganz vorsichtig macht es ihr der sechsjährige Feng aus Indien nach. Danach ist der kleine Hashim dran. Er bringt die Konstruktion zum Einsturz. Die anderen Kinder können sich vor Lachen kaum halten. Und ihre Mütter sind am anderen Ende des Raumes froh, dass sie in Ruhe Deutsch lernen können, weil ihre Kleinen so gut betreut werden.

"Willkommen in Deutschland"

Birgit Glockmann und Anne Jung bauen derweil das Memory-Spiel aus der Medienbox „Willkommen in Deutschland“ auf. Die beiden Helferinnen kümmern sich um die Kleinen, während deren Mütter Deutschunterricht bekommen. „Wo ist der Teddybär?“, fragt Anne Jung in die Runde. Nedi aus Indien zeigt sofort auf das richtige Symbol und erklärt ihrer kleinen Schwester Tutu auf ihrer Muttersprache indisch, was ein Teddybär ist.

Derweil lernt Mama Sohal, warum im Wort ‚Stop‘ ein ‚Sch‘ gesprochen wird - auch wenn die Buchstaben dort nicht stehen. Projektleiterin Christiane Groß spricht vor, die Frauen sprechen nach. Praktikantin Alina Geßner schreibt unterdessen alle Buchstaben, die bei der Aussprache zu hören sind, an die Tafel. Und Esma Aydogdu hilft beim Übersetzen. Die Schülerinnen vor ihnen am Tisch kommen aus Syrien, Afghanistan, Indien und dem Iran.

Sohal erklärt, dass sie mit ihrer Familie aus Indien fliehen musste, weil ihr Mann einer Religion angehört, für die man in ihrem Heimatland diskriminiert werde. Es war kein sicheres Leben für sie und ihren kleinen Sohn mehr möglich.

Männer bleiben draußen

Der mobile Online-Sprachkurs, der direkt in der Burger Gemeinschaftsunterkunft stattfindet, richtet sich nur an Frauen und ihre Kinder. Männer müssen draußen bleiben. Die Idee dahinter? „Die Frauen können mit uns ganz in Ruhe Deutsch lernen und müssen dafür nicht irgendwo hinkommen, sondern können in ihrem geschützten Umfeld bleiben“, erklärt Christiane Groß. Die 26-Jährige gehört zum Mädchen- und Frauenkommunikationszentrum ‚Tea-Treff‘ des Jugendwerkes Rolandmühle. Dort entstand auch die Idee zum Deutschkurs nur für Frauen.

Und seit das Ministerium für Justiz und Gleichstellung finanzielle Hilfe zugesagt hat, transportiert das Sprachkurs-Team zweimal die Woche das ganze Spielzeug, Laptop, Beamer und Leinwand vom Soziokulturellen Zentrum in die Unterkunft der Asylbewerber. Überdimensional groß werden die Buchstaben und passende Bilder an die Wand geworfen. Christiane Groß arbeitet mit einem besonderen Computerprogramm - extra für den Deutschunterricht mit Flüchtlingen. Nach dem Unterricht haben die Frauen auch noch die Möglichkeit, mit dem Laptop Videotelefonate mit ihren Angehörigen in der Heimat zu führen.

"pf" wie in Apfel und Pferd

Während Alina Geßner die Aussprache des ‚pf‘ in ‚Apfel‘ und ‚Pferd‘ erklärt, kommt der einjährige Sayog immer wieder zu seiner Mama Kiran angelaufen. Die 34-jährige Inderin nimmt ihn auf den Schoß, der Unterricht geht weiter. Bis Sayog die Geduld verliert. Doch da eilt auch schon Anne Jung rüber zum Schultisch und nimmt Sayog mit zu den anderen Kindern. Selbst für die Kleinsten haben die Betreuerinnen Spielzeug dabei oder lesen ihnen ein Kinderbuch vor.

Neben Kiran sitzt Hasha. Sie ist ganz neu in Burg und kann noch nicht ihren Namen in deutschen Buchstaben schreiben. Die anderen Frauen helfen ihr sofort. Esma Aydogdu dolmetscht so gut es geht. Sie studiert gemeinsam mit Christiane Groß in Magdeburg Soziale Arbeit und findet Spaß an der Arbeit mit den Flüchtlingen. Auch Christiane Groß will die Nachmittage nicht mehr missen: „Wir sind eine total gemütliche Gruppe.“