Burg l Im Gänsemarsch über die grüne Wiese. Das ist Alltag bei Rolf Huchel in der Forststraße. Hier kann das Federvieh noch Federvieh sein – mit reichlich Auslauf und an der frischen Luft. Etwas Grünes findet sich auf dem mehr als 4000 Quadratmeter großen Grundstück hinter dem Wohnhaus der Familie immer. Und hier bei Huchels leuchtet dem Besucher schnell ein: Auch wenn das tierische Leben begrenzt ist, artgerecht ist es allemal. Genau darauf setzen immer mehr Kunden, die sich zu Weihnachten etwas Besonderes gönnen. Da darf die Soße mal ausnahmsweise ein paar mehr Fettaugen als gewöhnlich haben, das Fleisch ist auf jeden Fall frisch und keineswegs hochgezüchtet.

Rolf Huchel füttert die 20 munteren Gänse. Etwas Weizen, etwas Grün aus dem Garten. Es ist Mitte Dezember und die Tiere haben ihr Gewicht erreicht. Zuviel ist auch nicht gut, alle sollen sie schließlich zu Weihnachten in die Bräter passen.

Der 69-Jährige mustert die Tiere ständig. Bis zu dem Tag, an dem die letzte Stunde geschlagen hat und wenig später schon die ersten Kunden erwartungsfroh in der Tür stehen. „Das ist nun mal so. Ein normaler Kreislauf “, sagt der Rentner. Für ihn sind es gewohnte Rituale, die schnell von der Hand gehen – vom Betäuben bis zum Rupfen. Ehefrau Brigitte ist dabei die beste Stütze. „Wir sind richtig eingespielt, das klappt prima“. Neun Enten oder Gänse werden so pro Tag küchenfertig gemacht.

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Ein paar Tage später wirkt die Fläche zwischen Kolonie und Stadtwald tierisch leer. Neben den Gänsen sind auch die 50 Enten geschlachtet, ein Großteil landet vorübergehend in Kühltruhen, bevor sie auf unterschiedlichste Weise zubereitet werden. Rolf Huchel blickt auf den nun leeren Gänsestall. „Im nächsten Jahr geht’s wieder von vorn los ...“ Ein Leben ohne Tierhaltung kann er sich ohnehin nicht vorstellen. „Ich bin als Kind damit groß geworden. Früher wurden noch viel mehr Tiere gehalten, um über die Runden zu kommen“, sagt er. Dieser Anspruch hat sich zwar mit den Jahrzehnten mehr und mehr zu einem Hobby geändert, „aber ich hatte schon immer Geflügel“. Bereits zu DDR-Zeiten waren die frischen Landeier, die es heute natürlich immer noch gibt, begehrt. Daran hat sich bis auf eine kurze Auszeit nichts geändert. „Das war schon komisch“, sagt Huchel. „Nach der Wende dachten plötzlich viele, die Supermarkteier, die so schön verpackt angeboten wurden, sind noch besser und etwas Besonderes.“ Tatsächlich war es eine Zeit lang schwer, die Huchelschen Eier an den Mann oder die Frau zu bringen. „Da bin ich sogar nach Burg-Süd gefahren und habe geklingelt und gefragt, ob jemand Eier haben will“, lacht er. Es hat zum Glück nicht lange gedauert, bis sich dieses Blatt wieder gewendet hat. Heute gackern sage und schreibe 150 Hühner im Freigehege. Jeden Tag werden frische Eier gelegt und wieder verkauft. Manche davon gehen sogar bis nach München oder Berlin.

Auch bei Huchels tritt langsam Weihnachtsruhe ein. Und was schreibt der Speiseplan vor? Die Kinder, die aus Augsburg und Aschaffenburg zu Besuch kommen, haben sich Ente gewünscht. „Die wird ganz klassisch mit einigen Gewürzen in der Röhre zubereitet“, sagt Brigitte Huchel.

Die Ruhe währt nicht lange: Denn Ende Mai wird sich das Federvieh wieder tummeln.