Magdeburgerforth l Am 4. April 1896 um 9.11 Uhr fuhr die Kleinbahn, Zug Nummer 3, aus Richtung Burg kommend in den Bahnhof Magdeburgerforth ein. Daran erinnerte am Sonnabend der Traditionsverein Kleinbahn des Kreises Jerichow I. Parallel dazu startete der Zug Nummer 1 von Burg nach Stegelitz. Mit der symbolischen Einfahrt eines historischen Zuges wurde am frühen Sonnabendmorgen an diesen historischen Tag erinnert. Allerdings hatte der Zug zum Gaudi der zahlreichen Schaulustigen zwei Minuten Verspätung.

Der historische Zug wurde von einer Dampflok angeführt, die aber geschoben wurde, weil sie noch nicht betriebsbereit ist. Passend dazu wurde der Dampf künstlich erzeugt. Die Nummer 994721 trug vor 120 Jahren die Original-Dampflok, die zirka 140 PS aufweisen konnte. Die am Sonnabend eingesetzte Dampflok ist etwas weniger leistungsstark. „Sie kommt auf etwa 80 bis 100 PS“, erklärte Vereinsmitglied Peter Hartung. Auf der Dampflok fuhren die Vereinsmitglieder Olav Fabricius und Benjamin Ebrecht. Die Originallok wurde nach der politischen Wende in Deutschland verschrottet. Sie hatte zuletzt auf einem Spielplatz in Halberstadt gestanden.

„Auf dem Museumsbahnhof ist noch einiges zu tun“, erklärte Vereinsvorsitzender Kilian Kindelberger in seinen Begrüßungsworten. So ist in diesem Jahr geplant, die Strecke bis zum Haltepunkt Magdeburgerforth – Lindenstraße zu eröffnen. Dazu bedarf es aber noch einiger Genehmigungen. Der erste Spatenstich für diesen Streckenabschnitt wurde im Jahr 2014 gelegt und ist etwa 600 Meter lang. Außerdem, so der Vereinsvorsitzende weiter, soll die neue Fahrzeughalle im Winter diesen Jahres bezugsfertig sein. Kilian Kindelberger: „Zum 125. Jubiläum soll alles noch schöner sein.“ Erstmals fuhr auf der Strecke ein der Güterwagen.

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Aber nicht nur die große Dampflok war unterwegs, auch die Feldbahn mit den Nachwuchs-Lokführern Konstantin und Oliver war ständig im Einsatz. Die Besucher konnten sich auf dem Bahnhofsgelände informieren und mit dem historischen Zug zum „Lumpenbahnhof“ und zurück fahren. Auch das Museum und das Kleinbahnbistro standen den Gästen zur Verfügung. Kilian Kindelberger hielt einen Vortrag zur Geschichte der Kleinbahn. Um 19.06 Uhr wurde, wie damals im Jahre 1896, der Tag mit einer letzten Zugfahrt beendet.

101 Kilometer

Im Zeitraum von 1896 bis 2003 war auf Beschluss des Kreistages des Kreises Jerichow I das 101,64 Kilometer lange Schmalspurnetz entstanden. Der Kreis Jerichow I betrieb das Netz in eigener Regie.

Durch die Kleinbahn wurden in erster Linie vor allem Zuckerrüben, Kartoffeln, Getreide sowie Holz und Kohlen im Güterverkehr transportiert. Die Kleinbahn profitierte im Personenverkehr in erster Linie vom Berufsverkehr. Parallel dazu entwickelte sich auch ein Ausflugsverkehr in die „Jerichower Schweiz“, dem landschaftlich reizvollen Waldgebiet rund um Magdeburgerforth. Die Deutsche Reichsbahn übernahm am 1. April 1949 die Strecken. Nach einer kurzen Blüte in den 50er Jahren erfolgte dann abschnittsweise die Stilllegung der Schmalspurbahn.

Der am 9. September 2000 gegründete Traditionsverein hat es sich zur Aufgabe gemacht, dass die ehemalige Kleinbahn nicht in Vergessenheit gerät.