Gommern l Da war die Aula der Sekundarschule Fritz Heicke voll besetzt und trotzdem fanden sich keine zwei Freiwillige. „Denken sie dran, wenn sie das nächste Mal mit ihren Kindern über Mitarbeit im Unterricht sprechen“, kommentierte Mathias Melzer die Zurückhaltung. Die Eltern, die er schließlich auswählte, sollten sich Zahlenreihen merken. Bei 3, 7, 1, 4, 9 und 6 war das noch kein Problem, aber bei acht und 14 Zahlen mussten die Probanden mehr oder weniger passen. „Das ist ganz normal“, sagte Mathias Melzer, der das Experiment nutzte, um die Funktionsweise des Gedächtnisses zu erklären. Nach dem Lernen sollten Kinder noch 20 Minuten Lesen oder Sport treiben, bevor sie Fernsehen gucken oder am Computer spielen dürften. Sonst landeten die (für Kinder emotional bedeutsameren) Bilder im Langzeitgedächtnis und nicht der Lernstoff.

Nach den Zahlen gab es für die Eltern und Lehrer Wörter zu lernen. 20 Stück in der richtigen Reihenfolge. Innerhalb von zwei Minuten. Waren die Wörter in ihren vier Kategorien geordnet, war das fast zu schaffen. Ohne die Struktur klappte das nur im Ansatz. „Dem Gehirn fällt es viel leichter, etwas zu lernen, wenn es das mit etwas Bekannten in Verbindung bringen kann“, erklärte Mathias Melzer.

Nicht zu unterschätzen sei die Wichtigkeit von Wiederholungen. Ohne regelmäßiges Auffrischen ist der Lernstoff spätestens nach einem halben Jahr wieder weg. Da arbeite das Gehirn sehr ökonomisch: Platz bekommt nur das Wissen, das auch nachgefragt wird. „Wer lernt ohne zu wiederholen, braucht eigentlich gar nicht zu lernen“, formulierte es Mathias Melzer sehr deutlich.

Das Wiederholen sei nicht Aufgabe der Lehrer. In der Grundschule sollten Kinder fünf Minuten wiederholen, in den weiterführenden Schulen täglich zehn Minuten einplanen. Das Einmaleins an den Badezimmerspiegel zu klemmen, um die Zahlen beim Zähneputzen aufzufrischen, sei beispielsweise eine Möglichkeit.

Im zweiten Teil seines Vortrages, den die Schulsozialpädagogin der Sekundarschule organisiert hatte, stellte Mathias Melzer die unterschiedlichen Lerntypen vor. Logisch-abstrakt, sicherheitsliebend, kreativ-chaotisch und emotional: „Jedes Kind hat die vier Typen in sich, aber unterschiedlich ausgeprägt“.

Mathias Melzer prägte den Begriff von „kommunikativen Tretminen“. Besonders schwer haben es Eltern und Kinder, die ganz unterschiedliche Lerntypen sind. Vorwürfe wie „jetzt streng dich doch mal an“ oder „das haben wir schon zehnmal durchgekaut“ würden nicht helfen. Wer die Ruhe und Geduld für sein Kind beim Lernen nicht aufbringe, solle lieber eine Lerngruppe oder Nachhilfe in Betracht ziehen. Am Esstisch sollte über Schule nur gesprochen werden, wenn es das Kind selber wolle.