Afrikanische Schweinepest: Gefahr im Jerichower Land noch nicht gebannt

Von Mario Kraus
Zwei Wildschweine bei Rangkämpfen: Mit Hilfe der Pürzelprämie soll die Zahl der Schwarzkittel im Jerichower Land weiter reduziert werden.
Zwei Wildschweine bei Rangkämpfen: Mit Hilfe der Pürzelprämie soll die Zahl der Schwarzkittel im Jerichower Land weiter reduziert werden. Symbolfoto: David Ebener/dpa

Burg/Genthin

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) kann auch das Jerichower Land jederzeit treffen. Dafür sprächen schon die Zahlen von 1058 bestätigten Fällen bis Ende April in den benachbarten Bundesländern Brandenburg und Sachsen. „Es gibt hinsichtlich der ASP-Ausbreitung keinen Stillstand“, sagt Amtstierarzt Klaus Gase. „Deshalb müssen weiter alle Anstrengungen unternommen werden, um einen möglichen Ausbruch zu verhindern.“

Vorbereitet für den Ernstfall ist der Landkreis in jedem Fall, versichert Vize-Landrat Thomas Barz (CDU). Tritt der Tag X in einem Gebiet im Jerichower Land ein, werden nach der Schweinepestverordnung drei voneinander getrennte Zonen gebildet: das Kerngebiet, der gefährdete Bezirk und die Pufferzone. Sollte bei einem Wildschwein ASP nachgewiesen werden, wird um den Fundort herum, der entsprechend desinfiziert werden muss, ein Elektrozaun in einem Radius von 25 Kilometern gezogen. „Der Zaun ist bereits vorhanden. Außerdem ist eine Firma jederzeit bereit und in der Lage, ihn aufzustellen“, so Barz.

Hinzu käme eine intensive Bejagung der Wildschweine mit möglichst vielen Jägern. Oberstes Ziel sei es, dass infizierte Tiere das Kerngebiet nicht verlassen und somit die Schweinepest nicht weiter verbreiten können. Die Jägerschaften Burg und Genthin seien auf ein solches Szenario eingestellt.

Und weil die Weidmänner und -frauen vorbeugend möglichst viele Wildschweine zur Strecke bringen sollen, hat der Landkreis jetzt in Kooperation mit dem Landwirtschaftsministerium rückwirkend zum 1. Januar die so genannte Pürzelprämie eingeführt – Pürzel deshalb, weil der Schwanz des Wildschweines so bezeichnet wird.

So wird für jedes erlegte Wildschwein, für das auch ein Ursprungsschein ausgestellt werden muss, bis Ende September eine Art Bonus in Höhe von 65 Euro gezahlt. Allen Landkreisen und kreisfreien Städten werden zudem Verwaltungskosten von 175.000 Euro erstattet, teilte der Landesjagdverband mit.

Die entsprechenden Anträge, die zunächst bis 15. Oktober gestellt werden müssen, können über die Homepage des Landkreises (www.lkjl.de) heruntergeladen werden. „Als Ansprechpartner fungiert auch die Untere Jagdbehörde“, so Barz. In dieser Summe sind ab April auch die Kosten für die Trichinenuntersuchung (Fadenwürmer) enthalten.

In diesem Zusammenhang sind die Jäger zwischen Jerichow und Loburg bereits ordentlich in Vorleistung gegangen. So wurden im zurückliegenden Jagdjahr insgesamt 3026 Wildschweine erlegt, etwa 400 mehr als im Streckenjahr 2019/2020.

Trotzdem stelle der Mensch ein großes Risiko durch Verschleppung der Viren dar, betont Amtstierarzt Gase. Kontaminierte Schuhe oder ein unachtsam weggeworfenes Wurstbrötchen reichen, denn in Rohwurst ist das Virus sehr lange haltbar. Zudem sollte auch bei dieser Seuche ganz besonders auf Hygiene geachtet werden. „Das betrifft auch Einwohner, die nur eine kleinere Anzahl von Tieren halten“, so der Veterinär. Wenn die eigenen Bestände aufgesucht werden, sollten beispielsweise Kleidung und das Schuhwerk gewechselt werden. „Seuchenschutz bleibt auch weiter hin das A und O.“