Burg l Fast 8300 Kilometer Luftlinie liegt die kubanische Hauptstadt Havanna von Burg entfernt. Die Kreisstadt des Jerichower Landes ist für vier Kubanerinnen ganz nah. Sie absolvieren ein Jahr im Bundesfreiwilligendienst im DRK-Seniorenzentrum „Carl-August Gottfried Pieschel“. Rosalia, Yeilan, Gretel und Yanmieleidys sind zwischen 23 und 30 Jahre alt und haben in ihrer Heimat Sozialpädagogik studiert. Der Kontakt entstand über die Industrie- und Handelskammer Magdeburg.

Große soziale Kompetenz

Bei der IHK verantwortlich für Projekte mit Kuba ist Michael Schulze. „Die Menschen dort haben eine große soziale Kompetenz, denn bis sie 40 Jahre alt sind, wohnen sie noch mit der Familie zusammen“, erklärte er im Gespräch mit der Volksstimme. Durch die gute Vernetzung der IHK in Kuba seien die vier studierten Sozialarbeiterinnen auf das Projekt aufmerksam geworden. Den Beruf des Altenpflegers gebe es in dem Land gar nicht, dort würden sich die Jüngeren um die Älteren in der Familie kümmern.

Knapp ein Drittel aus dem Ausland

Auf der Seite des Roten Kreuzes ist Katja Fischer, Leiterin des Betriebsteils Freiwilligendienste, verantwortlich. „Viele Einrichtungen merken, dass es ihnen an einheimischen Fachkräften fehlt und greifen gern auf die internationalen Teilnehmer des BFD Incoming zurück“, sagte sie zur Begrüßung am Montagvormittag. Insgesamt 650 Freiwillige sind in Sachsen-Anhalt in 260 Einsatzstellen tätig, knapp 200 von ihnen kommen aus dem Ausland. Das seien natürlich nicht nur Einrichtungen des Roten Kreuzes, sondern auch anderer Träger. Zwölf bis in Ausnahmefällen 18 Monate bleiben sie in Deutschland. „Viele gehen danach aber auch nicht gleich wieder in die Heimat zurück“, sagte Fischer. So auch die vier Kubanerinnen, die nach dem Jahr eine Ausbildung zur Pflegefachkraft absolvieren wollen, die drei Jahre dauert.

25 Seminartage

Zum Jahr im Bundesfreiwilligendienst gehört auch eine pädagogische Begleitung. An 25 Seminartagen werden kleine Kurse angeboten, beispielsweise Erste Hilfe, Rückenschule oder auch Pflegetraining. „Zum Abschluss gibt es noch eine Bildungsreise unter dem Motto ,Auf den Spuren des Roten Kreuzes nach Solferino‘“, fügte Fischer hinzu. Die Schlacht von Solferino, einem Ort zehn Kilometer südlich des Gardasees, brachte den Genfer Geschäftsmann auf die Idee der Gründung des Roten Kreuzes.

Vollgepackter Ankunftstag

Doch bis zur Reise nach Italien warten auf die Kubanerinnen noch andere Aufgaben. Am Freitag (11. Oktober) konnten sie noch nicht viel über ihre Erfahrungen sagen, doch bislang seien ihre Erwartungen voll erfüllt worden. Um ihnen den Start zu erleichtern, gab es einen vollgepackten Ankunftstag, unter anderem mit Besuch des Einwohnermeldeamtes und der Eröffnung eines Kontos. „Schon im Vorfeld hat die Freiwilligenzeit mit sehr viel Bürokratie zu tun“, beschrieb Fischer.

Kontakt zunächst nur übers Internet

Zudem würde man die Bewerber nur übers Internet, per Skype-Konferenz kennen. „Man lässt sich da auf jemanden virtuell ein“, fasste sie die Schwierigkeit zusammen. Bei den Entfernungen, die die Teilnehmer des Incoming-Programms zurücklegen müssen, wären persönliche Vorstellungsgespräche allerdings kaum denkbar. Teilnehmer kommen laut Katja Fischer „fast von allen Kontinenten“, beispielsweise aus osteuropäischen Ländern wie der Ukraine oder Kasachstan oder aus Afrika, wie etwa dem Senegal.

Zu Hause sind die vier Kubanerinnen für das nächste Jahr in Burg. Vom Freiwilligendienst ist ihnen eine Wohnung für eine Wohngemeinschaft gestellt worden. Ursprünglich habe sich der Freiwilligendienst nicht um die Unterbringung der Teilnehmer gekümmert. Doch da gab es offenbar einen Sinneswandel. „Man hat wohl erkannt, dass es sich perspektivisch bezahlt macht, wenn man den Freiwilligen das bietet“, sagte Katja Fischer.

Fröhlichkeit

Dass sich ihre Mitarbeit im Seniorenzentrum auszahlt, war schon beim Vorstellungstermin an der Fröhlichkeit, die sie auf den Fluren verbreiteten, zu merken. Darüber freuten sich neben dem Vorstand des Regionalverbandes Magdeburg-Jerichower Land Frank Ruth und Einrichtungsleiter Sebastian Rudolph vor allem die Bewohner. Bei Erfolg kann sich Schulze weitere Projekte der IHK mit dem Roten Kreuz vorstellen: „Kuba hat Potenzial“.